48. Lock down, now

Es ist soweit! Seit Mitternacht ist in ganz Neuseeland Lock down. Niemand darf reisen, niemand darf sich mit Menschen aus einer anderen „bubble“ treffen, ausschliesslich Lebensmittelladen und Apotheken sind geöffnet. 202 Covid-19 Erkrankte sind bereits gemeldet, 0 Tote Die Behörden erwarten, dass Tausende angesteckt werden. Wo die Menschen in dieser Nacht geschlafen haben, müssen sie 4 Wochen lang bleiben.

Im Albertpark in Auckland: sogar die Statuen schützen sich mit Helm. Die Möwe stört es nicht.

Gestern sind wir durch 2 kleine Parks spaziert. Die Menschen halten bereits Distanz zueinander. Niemand lächelt dem anderen zu, auch nicht über 3 Meter hinweg. Alle weichen einander aus und schauen dabei auf den Boden. In den Parks haben wir mehrere Obdachlose und gestrandete Touristen mit ihrem Gepäck getroffen. Haben sie einen Plan B? Es habe 270’000 Reisende in Neuseeland, die nun obdachlos seien. Hier kommt der kühle Herbst mit Regen und Wind. Es ist ganz einfach bedrückend. Viele reagieren gestresst. Kurz vor dem endgültigen Schliessen der Kleider- und Schuhladen wollte ich mir ein Paar feste Schuhe kaufen. „Was machen Sie hier beim Shoppen?“ schnauzte mich die junge Verkäuferin an. „Ich brauche wenigstens ein einziges Paar Schuhe für den Herbst,“ verteidigte ich mich und weise auf meine Badeschlärpli. Einheimische haben selbstverständlich Herbst- und Winterkleider daheim. Wir aber sind mit nur einer mittleren Koffer pro Person unterwegs. Für unsere „sommerliche“ Reiseroute mit leichter Kleidung ist das ideal. Aber jetzt? Hier? Ich mag nicht daran denken, was passieren würde, wenn sich Edlef oder ich erkälten würden und husten müssten… Eine wachsende Intoleranz und richtige Angst werden bei den Menschen spürbar.

„Share the Joy,“ sind diese Veilchen angeschrieben.

In all der aufkommenden Unfreundlichkeit, wo Menschen einen richtigen „Schreck-Gump“ nach hinten nehmen, wenn sie merken, dass wir Touristen sind, haben wir auch Aussergewöhnliches erlebt. Ein älteres Paar aus Napier hat uns spontan und aus echter Sorge heraus eingeladen, bei ihnen in der Dépendance die Quarantänezeit zu verbringen. Leider konnten wir das Angebot nicht annehmen. Wenn wir je wieder weiter- und heimkommen wollen, müssen wir hier in Auckland bleiben. Die strenge Sperrzeit dauert im Moment 4 Wochen, es könnte aber auch um einiges länger werden. Vergessen werden wir aber die Herzensgüte von Tony und Christine nie mehr.

Edlef beim Frühstück am Campingtischchen in unserem Studio. Wir haben es uns in letzter Minute besorgt. Nun können wir an einem „rechten“ Tisch essen, statt auf dem Bügelbrett (wörtlich so gemeint) oder dem tiefen Salontischchen.

Wir haben nun für den 6. April den nächsten Routenteil zugeschickt bekommen. Es bedeutet, ausgerechnet umsteigen in Los Angeles, Kalifornien. Wer will denn über die immer schlimmer betroffene USA reisen? Aber diese Flüge funktionieren noch. Gelingt es, kommen wir wie geplant für einen Monat in ein fast Covid-19 freies Gebiet.

Die Ungewissheit ist gross. Wie entwickelt sich das Ganze weiter? Vielen und auch uns geht es im Moment gut. Aber die unglücklichen Touristen im Park machen tiefen Eindruck auf mich. Man stirbt nicht nur an Covid-19. In der Schweiz würde ich auf diese Menschen zugehen und mit ihnen sprechen. Aber hier? Hier müssten sie wohl selbst auf uns zukommen, damit wir handeln. Schlimmer, ich bin mir nicht sicher, ob ich nicht selbst schon von der allgemeinen Panik angesteckt bin und einen „Gump“ weg von ihnen machen würde.

47. „Rien ne va plus…“

Bedrückte Stimmung am Flughafen in Auckland. Es war den Wartenden nicht möglich, die nötige Sicherheitsdistanz zu halten.

Unsere nächste Station sollte Tahiti sein. Unser Traum war: Warme Sonne, herrliche Strände, schnorcheln und faulenzen … Die Realität sieht anders aus: Ob die Anreise überhaupt möglich würde, war ab Dienstag unklar. Wir haben die Fluggesellschaft Tahiti Nui weder telefonisch noch per E-Mail erreichen können, um diese Frage zu klären. Das Reisebüro daheim wusste auch nichts Genaues. Die im Internet zugänglichen Auskünfte waren widersprüchlich. Wir sind darum zum Flughafen Auckland gefahren, in der Hoffnung, dort Näheres erfragen zu können, unser Flug sollte in 2 Tagen gehen.

Am Flughafen trafen wir auf Hunderte von Rückkehrwilligen. Sie lagen, sassen, standen in der Check-in Halle und alle warteten. Niemand benahm sich hysterisch, aber Lachen und diese freudige Erwartung auf den Gesichtern, wie sie normal ist auf Flughäfen, waren nirgends zu sehen. Wir rannten von Pontius zu Pilatus, aber niemand konnte uns Auskunft geben, was verbindlich für unsere Flüge gelte.

Es braucht viel Geduld… viele sind einfach ohne Plan B gestrandet. Wer schafft es noch heim?

Wir kehrten ins Hotel zurück. Per Internetrecherchen haben wir dann erfahren, dass wir definitiv nicht nach Tahiti reisen können. Air Taiti Nui transportiere nur noch „résidents“. Zum Glück konnten wir die Hotels in Tahiti kostenlos stornieren. Mehr noch, die Hotels waren direkt gierig darauf aus, dass wir stornieren würden. Für einmal ist Ablehnung echt angenehm.

Unser Reisebüro riet, trotz allem zum vorgegebenen Flugtermin nochmals zu erscheinen (versicherungstechnisch?). Wir fuhren also noch einmal zum Flughafen in Auckland, gaben das Mietauto ab und stellten uns in die Schlange bei „Qantas Support“. Nach einer Stunde Anstehen erfuhren wir: „Nein, liebe Bandixens, wir können nichts annullieren, wir vermarkten zwar diese Flüge, können aber kein neues Ticket ausstellen. Wir verkaufen überhaupt keine Tickets mehr. Kontaktieren Sie direkt Air Tahiti Nui. Gehen sie zu deren Schalter, wenn sie die Passagiere einchecken.“ Wir dankten für die klare Auskunft und hingen über die Mittagszeit in der fast leeren Ankunftshalle herum. Hier war es leicht, die empfohlene Sozial-Distanz einzuhalten – klar, wir waren ja in der ANKUNFTShalle. Als der Check-in von Air Tahiti Nui in der überfüllten Abflughalle geöffnet wurde, standen wir nochmals eine Stunde an und kamen dann endlich zum richtigen Schalter. Die Hauptaufgabe der leicht verzweifelten Angestellten schien zu sein, völlig überraschten und entsetzten Franzosen klar zu machen, dass sie seit diesem Morgen auch keine französischen Bürger mehr transportieren würden: „Seulement des résidents!“ Ganze Familien mit kleinen Kindern standen ratlos da. Das hat uns leid getan. Dass wir „declined“ würden, wussten wir schon und haben uns darum bereits auf mindestens 1 Monat längeren Aufenthalt in Neuseeland eingestellt. Diese Familien mit den kleinen Kindern aber waren müde vom langen Flug aus Europa nach Auckland und standen neu vor der fast unmöglichen Aufgabe, ein Reiseticket zurück nach Frankreich zu ergattern.

Das wurde uns am Schalter von Air Taiti Nui in die Hand gedrückt.

Wie weiter? Versuchen, zurück in die Schweiz zu reisen? Aber wir haben unseren ganzen Haushalt aufgelöst. Zudem würde es wohl sehr schwierig, jetzt einen Wohnort in der Schweiz zu finden. Dazu kommt, es ist praktisch unmöglich einen Flug zu kriegen. Die Angst ist omnipräsent. In den TV Nachrichten sehen wir die furchtbare Situation in Italien, Insulaner der Südseeinseln, wie sie in Sprechchören und mit Plakaten fordern: „Keep your desease away“, verzweifelte Kreuzfahrt Touristen, die ungenügend versorgt sind. Und es wird von alten Menschen berichtet, die allein gelassen an Covid-19 sterben, ohne je Zugang zu Spitalpflege erhalten zu haben. Neuseeland benimmt sich sehr anständig. Unser Touristenvisum ist automatisch bis in den September verlängert worden.

Auckland

Wir haben nun den Südseetraum begraben und bleiben in einem Studio in Auckland. Von hier aus werden wir wandern, solange dies noch erlaubt ist, kochen, lesen, … was immer uns möglich ist und uns Spass macht. Dazu brauchen wir kein Auto. Unser Studio liegt ganz zentral zum Einkaufen. Noch sind die Neuseeländer nicht hysterisch. Beweis: es gibt noch immer WC-Papier zu kaufen. Smile. Sogar Schutzmasken haben wir in einem Laden gesehen. Wir nehmen es Schritt für Schritt. Im Moment geht es darum Covid-19 einzudämmen. Wir passen uns an und hoffen wohl etwas naiv, dass alles gut kommt.

46. Eine tolle Abschlusszeit und Covid-19

Redwood Forest

In der vergangenen Woche waren wir in Rotorua. Nahe beim ländlichen Städtchen gibt es spektakuläre Thermalquellen und Wälder. Wir machten im Redwood Forest eine Wanderung und staunten. Der Wald sieht aus, als würde er seit Jahrhunderten dort wachsen. Aber was heute enorme Baumriesen sind, wurde erst vor rund 70 Jahren als winzige Setzlinge aus den USA importiert und gepflanzt. Sie haben sich zu einem unglaublichen Mammutwald entwickelt.

Hell’s gate: Kochend heisse Seen, 40 Grad warme Wasserfälle und einen kleinen, schnell wachsenden Vulkan

Die „Hell’s gate“ waren ein dampfender, blubbernder Höhepunkt. Die Hell’s gate bestehen aus einer ganzen Landschaft voller Heisswasserquellen und Seelein. Es riecht überall nach Schwefel und raucht Tag und Nacht vor sich hin. Zu einem Aufenthalt in Rotorua gehört auch ein Besuch bei den Maori. Wir kauften uns ohne grossen Enthusiasmus den Eintritt für einen Maori-Kennenlernabend. Der Abend begann mit einem dramatischen Empfang und vielen Liedern. Dann wurden alle Besuchenden durch einen Stationenweg geführt, wo in traditionelle Tänze, Handwerke und in die Weltsicht der Maori eingeführt wurde. Dann strömten wir Besuchenden zum festlichen Essen in ein Langhaus. Auch da gab es feierliche Kurzansprachen, als wären wir keine Kunden, sondern hoch geschätzte Gäste. Eigentlich mögen wir so offen Touristisches nicht. Aber hier ging die Rechnung für alle auf: Wir Touristen erhielten Einblick in die Kultur der Maori und diese hatten gute Verdienst- und Profilierungsmöglichkeiten. Es machte rundum Spass.

Maori Folklore. Im „Normalleben“ ist dieser Darsteller Lehrer. Die Gesichtsbemalungen sind keine Tatoos, sondern abwaschbare Farbe. Sie wollen ihre Traditionen bewahren, aber auch Teil der heutigen Gesellschaft sein. Es gelingt ihnen hier erstaunlich gut.

Sich seine eigene Therme schaufeln

Hot waterbeach bei Ebbe. Kommt die Flut, so wird alles weggespült, aber bei der nächsten Ebbe beginnt das Buddeln und fröhliche Baden neu.

Seit 4 Tagen sind wir auf der Coromandelhalbinsel. Es hat hier tolle Wandermöglichkeiten, vor allem aber hat uns die Hotwater Beach angezogen. Wir packen bei Ebbe die Sandschaufel, rennen an den Strand und buddeln dort wie viele andere ein eigene Wanne in den Sand. Manchmal trifft man nur auf kaltes Wasser. Dann plötzlich sprudelt es viel zu heiss aus dem gegrabenen Loch. Und hat man Glück, stösst man auf das erhoffte, angenehm warme Thermalwasser, das ein gemütliches Baden im Sandloch garantiert. Vor kurzem war der Strand noch ein Geheimtipp. Inzwischen haben ihn viele Touristen für sich entdeckt und geniessen diese Laune der Natur. Viele Deutsche sind da, die erst frisch aus Europa eingereist sind. Beim Schaufeln kommt man ins Gespräch und ganz zuvorderst stehen die Gerüchte und Fragen wegen der neuen Aufenthaltsbedingungen aufgrund von Covid-19. Oft hören wir, dass sich die Neuankömmlinge nicht an die 14-Tage Selbst-Quarantäne-Regelung halten können. So einfach „Quarantäne“ tönt, was sollen Familien im einen Hotelzimmerchen mit den Kindern tun? Oder Backpackers, welche die korrekt angetretenen Ferien schon bezahlt haben, für die aber genau an den angepeilten Stationen kein Quarantäneaufenthalt möglich ist? „Und“, meinte eine junge Frau süffisant,“das sollen uns die Jugendherbergen erst mal nachweisen, dass wir eben erst gekommen sind…“

Cathedral Cove
Auf dem Weg nach Auckland hielten wir im Waipua Forest an. Es ist einer der grösste der national geschützten Bestände von Kauri Bäumen. Dort steht auch der „Vater des Waldes“, der Te Matua Nghere. Es sind uralte Bäume im Alter bis zu 3000 Jahren.

Und plötzlich geht alles bestürzend schnell

Ab heute, dem 15.März um Mitternacht, müssen alle, die ab 2. März von aussen zugereist sind, in eine 14-tägige, selbst verantwortete Quarantäne gehen. Das wurde von Jacinda Ardern, der Premierministerin von Neuseeland, per TV-Ansprache mitgeteilt. Wir haben bereits ein Anschreiben von unserer nächsten Station, einem Hostel in Auckland bekommen, in dem wir darum gebeten wurden, unsere Buchung rückgängig zu machen, denn Quarantäne sei in günstigen Motels und Jugendherbergen nicht möglich. Dort werden Küche, Essraum und Toiletten von den Gästen geteilt. Uff. Glück gehabt. Wir sind bereits seit dem 28.Februar in Neuseeland, gehören also nicht zur Zielgruppe „Quarantäne“. Wichtig ist den Behörden auch, dass wir vorher weder in China noch im Iran waren… Aber wie soll es weitergehen? Wir haben für Ende Woche ein Flugticket nach Tahiti und müssen, um dort einreisen zu können, am Dienstag einen Covid-19 Test durchlaufen. Nur mit einer medizinischen Bestätigung, dass wir Covid-19 nicht haben, dürfen wir in Tahiti einreisen. Täglich ändern die Vorgaben und unser Pass ist im Moment wegen der schlechten Covid-Werte in der Schweiz wenig hilfreich. Schritt für Schritt zu schauen, was geht, ist wohl die einzige Möglichkeit, die uns bleibt. Als nächstes steht auf unserem Programm: Covid Test in Auckland. Angemeldet dafür haben wir uns schon.

45. Hobbiton

Wer beim „Mount Doom“, dem ‚Berg des Verhängnisses‘, war, wird Hobbiton nicht auslassen. Wir reisten von Rotorua zu diesem Drehort von „Herr der Ringe“ und waren entzückt. Da standen lauter „Tiny Houses“, die zwar nicht tatsächlich bewohnt werden können, die aber weit mehr als die Kulisse für das Epos bedeuten. Sie sind eine Inspiration für umweltverträgliches Wohnen mit ihren bewachsenen Dächern und den kleinen Gärten. Aber für viele Menschen hier ist die technische Vision nicht wichtig. Dieses Filmdörfchen steht als Erinnerung an einen Höhepunkt in ihrem Leben. Viele der Reiseführer hatten Statistenrollen im Hobbit Dörfchen für den Film ‚Herr der Ringe‘: „Wir alle waren bei den Dreharbeiten so fröhlich und solidarisch – ich jedenfalls bin zu 100% wie eine Hobbitfrau!“ schwärmte eine Reisebegleiterin,“ich bin immer gut aufgelegt und anderen zu helfen, gehört zu mir.“ Sie ist sichtlich bewegt von ihren Erinnerungen.

Im 10-15 Minutentakt fahren grosse Busse vom Sammelplatz in Matamata ab und führen jeweils 50 Gäste ins Kulissendorf „Hobbiton“.

Mehrere Busse sind ständig im Einsatz

Auch wir stiegen ein und hörten aus der Drehzeit verschiedene Anekdoten, vor allem aber liefen wir im Dörfchen herum und konnten die detailgetreuen Bauten bestaunen. Ron, der Reisebegleiter, zeigte auf einen wunderschön verdrehten Baum. „Alles künstlich“, strahlte er. Damit der Baum in einen früheren Teil der Geschichte passte, mussten sie ihn künstlich verjüngen. Sie hackten den Originalbaum ab und rekonstruierten ihn jünger. So steht nun ein perfekter Plastik-Metallbaum neben dem Haus des Bürgermeisters von Hobbiton. Ron fuhr weiter mit seinen Anekdoten: Das Schlüsselgespräch von Gandalf und Bilbo findet am Abend vor dem Aufbruch der Helden statt. Alles sollte im Sonnenuntergang gefilmt werden. Dazu stand Bilbos Haus aber falsch. „Das merkt niemand“, hätten die Filmleute gelacht.“Wenn wir am Morgen filmen und den Sonnenaufgang rückwärts reinflicken, dann sieht es nach einem Sonnenuntergang aus.“ Der Sonnenaufgang sah rückwärts abgespielt tatsächlich wie ein perfekter Sonnenuntergang aus. Nur flogen die Vögel in der Szene plötzlich rückwärts. Ron schüttelte sich beim Erzählen vor Lachen. Auch noch viele Jahre nach dem Filmdreh war ihm dieser „Unfall“ in bester Erinnerung.

Bilbos Haus, dahinter der Kunstbaum.
Eines der vielen Hobbithäuser, alles ist reine Kulisse.

Ron fragte auch uns, woher wir kämen. „Switzerland“, war unsere Antwort. „Hm“, meinte Ron, „ihr habt viele Berge und Seen, das ist fast wie in Neuseeland.“ Dann stutzte er und fragte:“Kann man tatsächlich in den Häusern in euren Bergdörfern wohnen?“ Jetzt waren wir daran, uns auszuschütten vor Lachen. Nicht alles ist bloss Kulisse wie Hobbiton oder Walt Disneyworld.

Das Wirtshaus „grüner Drachen“

44. Mount Doom

Edlef unterwegs zum Mount Doom

Unsere ganze Familie hat vor Jahren das längste Märchen der Welt, der Herr der Ringe, mit Begeisterung verschlungen. Als dann der Film kam, klebten wir am Bildschirm und sahen uns den langen Film mehrmals an. Die phantastischen Landschaftsaufnahmen sind in Neuseeland entstanden. Viele von ihnen sind fast unwirklich schön. Wir haben für unseren Aufenthalt die Nordinsel gewählt mit den Schwerpunkten Menschen/neuseeländische Kultur, Thermen und – Herr der Ringe. Heute machten wir eine mehrstündige Wanderung vom National Park Village aus. Das Örtchen befindet sich im 4. ältesten Park der Welt, dem Tongariri National Park. Hier wurden die letzten Filmszenen zum „Herr der Ringe“ gedreht, die Szenen, in denen Frodo den Mount Doom hinaufklettert, um den Ring zu zerstören. Der Vulkan Mount Ngauruhoe wurde seit dem Film in der Bevölkerung zum „Mount Doom“ umbenannt. Tatsächlich versteht man die Auswahl dieser ursprünglichen Vulkanlandschaft für den Film gut. Sie wirkt bedrückend und eintönig beim Wandern.

Flechten bewachsene Urbäume
Blick ins Tal vom Wanderweg zu den beiden Vulkanseelein
Mount Doom

43. Napier – alles ist Art Deco

Napier hat als Botschaft an die Welt das Motto gewählt: „Lasst uns eine neue Epoche beginnen“

Napier gilt als weltweit best erhaltene Stadt der Art Déco. Der traurige Hintergrund dieser ehrenvollen Bezeichnung ist das furchtbare Erdbeben von 1931. 256 Menschen kamen um und tausende von Verletzten mussten gepflegt werden. Das Städtchen lag in Schutt und Asche. In kurzer Zeit wurde alles wieder aufgebaut, konsequent im Stil der Art Déco. Wir haben uns in unseren 3 Wochen Neuseeland auf die Nordinsel beschränkt. Wellington hat uns begeistert mit seiner relaxten Atmosphäre, der grossartigen Strandpromenade und dem eindrücklichen Museum „Te Papa“. Das stille Städtchen Napier aber hat uns mit seinem Charme für sich eingenommen.

Die Häuser in Napier haben in der Regel Pastellfarben. Beim Bemalen der Bauten versuchte man Geld zu sparen. Darum habe man die Farben verdünnt und alle Häuser seien pastellfarben geworden.
An der Strandpromenade hat es tolle Restaurants, charmante Bauten…
…und viel Kinderfreundliches, wie z.B. dieses Viereck voller gratis Kinderspielzeug für die Kleinen.

Wir hatten es allerdings ziemlich übel erwischt mit dem angemieteten Zimmer in der Jugenherberge. Es war schmuddelig und voller Flöhe. Wir sind schnellstens weiter geflohen.

Die älteste Weinprodultion in Neuseeland wurde von den französischen Marianisten gegründet. Sie brauchten Wein fürs Abendmahl. Sie sind nicht nur für Wein bekannt, sondern auch für ihren Einsatz für die Religionsfreiheit in Neuseeland).
Das heutige Hotel und Restaurant der Marianisten war eine Ausbildungsstätte für Priester. Heute werden auf dem prächtigen Sitz gerne Feste und Hochzeiten gefeiert.
Der Wein wird unter dem Namen „Mission“ vermarktet

42. Reise nach Neuseeland

Abschied von Maggie, Arturo und Amelia in Sydney

Wir stehen am Flughafen in Sydney und freuen uns auf unsere nächste Station, Neuseeland. „Sie können nicht reisen. Sie haben kein E-Visum,“ sagte die Bodenstewardess freundlich beim Check-in. Waaas? Wir können nicht reisen? Natürlich haben wir kein Visum beantragt, denn die Schweiz hat mit Neuseeland ein zwischenstaatliches Abkommen! Visa seien nicht nötig, das wurde uns vor der Abreise in der Schweiz ausdrücklich mitgeteilt! Und jetzt das…? „Egal“, sagte Edlef, „reg‘ dich nicht auf. Sie wollen das E-Visum, also machen wir das.“ Wir ergoogelten die neuseeländische Website, loggten uns blitzartig ein und bezahlten das E-Visum per Internet. Die definitive Antwort dauere zwischen 10 Minuten und 72! Stunden, wurde uns umgehend per E-Mail mitgeteilt. Und dann sassen wir am Flughafen in Sydney in unserer Ecke und warteten… und warteten… Noch 2 Stunden bis zum Abflug… keine Bewilligung da. Wir warteten weiter, 1 1/2 Stunden vor dem Abflug, …keine Bewilligung da.

Grüne Ampel in Wellington
Rote Ampel in Wellington. Das Bild sei einem Kriegstanz der Maori nachempfunden.
Ein Maori in einer Vorführung in Rotorua zeigt genau diese Haltung
Grüne Ampel in Wellington, das Bild ist der aktuellen Mode nachempfunden?

Ich wurde wirklich ungeduldig und ging noch einmal zum Eincheckdesk und fragte, was wir tun sollten, falls wir die Reise verlören? „Geben Sie mir mal den Pass“, zwitscherte die Angestellte. Sie tippte die Angaben ins System ein und sagte: „Alles ist o.k. Bringen Sie mir doch ihre Koffer zum Einchecken.“ Fast ein wenig schockiert stürzten wir mit den Koffern zum „Desk“. Alles klappte und und wir flogen wie geplant pünktlich um 18.40 Uhr in Sydney ab und kamen glücklich in Wellington an. Auch bei der Einreise gab es keine Probleme. Und die Bestätigung der Einreise-Bewilligung per E-Mail, auf die wir uns verlassen müssten? Sie steht noch immer aus und wird wohl erst am Montag da sein. Wir aber sitzen bereits in Wellington und freuen uns über die gelungene Weiterreise.

Wandmalerei in Wellington

Nachtrag: Die Bewilligung ist uns tatsächlich am Montagmorgen um 8.02 Uhr zugeschickt worden…

41. Sydney

Sydney ist ein Eldorado für Touristen. Tolles Klima, gute, öffentliche Verkehrsmittel, eine riesige Vielfalt an kulturellen Angeboten, Shoppingmalls grenzenlos und ein wunderschöner Stadtkern, in dem man sich zu Fuss bewegen kann.

Grundinformationen zur Geschichte der ersten europäischen Siedler in Australien und ihrer Beziehung zu den Aborigenes erhielten wir im Sydney Museum. In ihrer 2. Ausstellung erfuhren wir Grundsätzliches zur Entwicklung der Stadtarchitektur.

Modelle der 11 ersten Schiffe, die von England her nach Australien gesegelt sind. Mehr als die Hälfte der 1500 Passagiere waren Sträflinge aus überfüllten Gefängnissen in England.

Wir machten anschliessend eine Stadtführung im Stadteil „Rocks“ mit. Dort zeigte uns die Begleiterin die wenigen Restgebäude aus der ersten Siedler-Zeit Sydneys und erzählte von Persönlichkeiten des frühen 19. Jahrhunderts. Z.B. von Mary Reibey, sie wurde als Sträfling nach Australien deportiert und entwickelte sich zu einer ausserordentlich geachteten und klugen Geschäftsfrau. Sie besass und leitete als erste Frau eine Bank.

Australien ist für Touristen teuer. Für alles werden Spezialtouren angeboten. Manchmal haben wir das Gefühl, sogar atmen werde speziell organisiert und berechnet.
Schon allein für den Hop on, Hop off Bus, hätten wir 80.- CHF hinblättern müssen. Das wenig „schreierische“, aber spannende Museum und die Stadtführung zusammen blieben deutlich unter diesem Preis. Wer hierher reist, macht sich am besten schlau darüber, wofür er sich interessiert und was ihm wieviel wert ist.

Die Opera ist eindrücklich, die Aufführungen grossartig. Wir waren im „Don Giovanni“ von Mozart
Touristenfallen wie diesen Bus gibt es haufenweise
Australien ist berühmt für seine Opale
Das Cadmans Cottage ist das älteste noch erhaltene Haus in Sydney, Baujahr 1799.
Alte Hafenhäuser

Die alten Häuser in „the Rocks“ in Sydney sind sorgfältig renoviert. Alles, was als „Heritage“ deklariert worden ist, wird geschützt und Bewohner haben strenge Auflagen zu erfüllen. Wie jung die „Heritage“ Gebäude sind, erstaunt nicht, wenn man bedenkt, dass die Besiedlung erst Ende des 18. Jahrhunderts angefangen hat. Erst seit 1978 werden alte Gebäude systematisch aufgelistet und geschützt. Das war einem chinesischen Kollegen unserer Freunde in Sydney nicht klar. Er kaufte ein Haus in ihrer Nachbarschaft, das unter Schutz stand, änderte beliebig ab, was ihm passte. Die Busse war so gewaltig, dass er das Haus wieder verkaufen musste.

Strässlein in „the Rocks“
Überall wird gebaut

Die Stadt boomt. Es wird enorm viel investiert und gebaut. Die Aborigines sind als Strassenmusiker und Bettler bemerkbar.

Wir wohnen bei Arturo und Maggie Escartin. In Chile haben wir ein Jahr lang zusammen gearbeitet im Frauenprogramm und in der Entwicklung von Materialien gegen Gewalt. Sie haben uns mit grosser Herzlichkeit aufgenommen. Australien ist ihre Wahlheimat.

Arturo hat Geburtstag. Wir stossen mit einem „Pisco sour“ an
Maggie Escartin mit Edlef
Bei öffentlichen Informationen und bei Reklame haben die Aussies einen liebenswerten Humor.

40. Essen in Australien

Man isst gut in Australien. So gut, dass von 26 Millionen Einwohnern mehr als die Hälfte übergewichtig bis adipös ist.

An der Landestelle der Fähre in Sydney fischen Einheimische gemütlich

Ihr typisches Essen seien „Fish and Chips“ mit Bier, lachen die Ostküstler. Es gibt aber viel mehr: Zu erlesenem Wein werden Meerfische und Meeresfrüchte serviert mit verschiedenen Gemüsen, wenig Salat. Vieles kommt frittiert auf den Tisch.

Fish & Chips Ostküstenstyle

Selbstverständlich gibt es Schafs- und Rindfleisch in bester Qualität und günstig. Es hat verschiedene Wurstarten, viele erinnern an deutsche Bratwurstsorten. Auf allen Campingplätzen, auf denen wir übernachtet haben, gibt es Küchen und beste BBQ/Grill Einrichtungen, die rege benutzt werden. An den Stränden trifft man immer wieder auf Gruppen, die fröhlich grillieren, picknicken und feiern. Auch vegetarische Alternativen werden angeboten.

Eine fröhliche Gruppe grilliert am Strand an der Narabeen Beach
Ein Laden voll fangfrischem Fisch

Kängurufleisch oder Krokodil oder Schlange haben wir nirgends im Einkaufsangebot gefunden, nicht einmal Straussensteaks. Aber in den grossen Ladenketten wie Coles oder Woolworths ist so etwas wohl kaum zu erwarten. Dafür finden sich an vielen Tankstellen als Zwischenmahlzeit warme „Meat Pies“, das sind Hackfleischtörtchen oder auch Würstchen im Teig.

500 Gramm Rindsteak mit Coleslaw und Mayonnaise im Restaurant
Asiatisches Essen wird immer beliebter

Neben den deftigen Hauptgängen werden feine Kaffees angeboten, Cappuccino, Latte Macchiato, guter alter Brühkaffee, Nestlépulver-Café…, meistens in Pappbechern und mit Plastiklöffeli… dazu bestes Speiseeis und viele Kuchen. Pies werden gerne mit Doppelrahm serviert. Ich denke: „Soviel Fett? Und das praktisch ohne Bewegung?“ Bewegung scheint nicht einfach im Alltag einbaubar zu sein. Sport ist an den Schulen in Australien gestrichen worden und Erwachsene müssen für alle organisierte Bewegung bezahlen. Am frühen Morgen sieht man immer wieder Jogger, aber nur in kleinem Mass. Nur wenige fahren Velo. Für die meist weiten Distanzen in die Schule, zur Arbeit oder sogar zum Nachbarn braucht es ein Auto.

„Fressbeiz“ in Rockhampton
„The Leap“, ein tolles 150-jähriges Kaffee an der Pacific Coast Road

39. Naturparks und australische Tierwelt

Lories

Mich begeistern die knuddeligen Koalas, die Kängurus, die fabenfrohen Kakadus… Australien ist voll Leben und scheint uns ursprünglicher und wilder zu sein als Europa. Beim Reisen hat man das Gefühl, um jede Ecke habe es einen weiteren eindrücklichen Natur-Park und jede nicht privat genutzte Fläche beherberge Einmaliges. Wir sind 17 Tage und Nächte mit dem Camper unterwegs und fahren dem berühmten Pacific Highway entlang von Port Douglas nach Sydney. Das ist nicht wirklich viel Zeit für die 2600 km lange Reise gerade auch darum, weil wir „Umwege“ machen etwa zu den Millaa Millaa Fällen, dem Burdekin Staudamm, den berühmten Surfplätze von Byron Bay, den Bananenplantagen um Coff‘ s Harbour (Big Banana) und vieles mehr. Wir wechseln fast jeden Tag den Standort, schauen uns das Gewünschte an, schlafen „schnell“ und schon geht es weiter. Mit dem Camper fühlt man sich der Natur weit näher als im Hotelzimmer. Noch nie haben wir einen so lustig-lärmigen Schlafort erlebt wie auf dem Land fernab von jeder Strasse in Millaa Millaa. Dort sind Zikaden daheim, die wie Lastwagen tönen, die rückwärts fahren. Das kommt zu den Geräuschen der „normalen“ Insekten hinzu, die ohrenbetäubend zirpen, klappern, und schreien. Es gibt Vögel, die alleine „zweistimmig“ pfeifen können. Es ist überwältigend. Und überall hüpfen in der Dämmerung Kröten, Unken und Frösche herum.

Glasshouse mountains
Burdekin Staudamm
Bei einem der Wasserfälle bei Millaa Millaa

Wir haben uns über diese Kakophonie gefreut. Angst haben wir kaum je. Wirklich gefürchtet haben wir uns nur, als ganz nah vor uns eine Giftotter über den sauber angelegten Wanderweg schnellte. Auf dem Zeltplatz in Crescent Head verschlang direkt über uns auf einer Palme eine Python ein Opossum. Dabei wurde uns erzählt, dass bereits 4 Meter lange Pythons Kinder herunterwürgen könnten. Es habe Fälle gegeben… Um bei ihrem Nachwuchs (und bei Touristen) Angst und Schrecken zu verbreiten, brauchen australische Eltern also keine Schmutzli- und Samichlausgeschichten.

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass der Camper praktisch ist. Er führt wirklich in die Natur. Aber ein deutlich kleineres Modell hätte genügt. Es braucht einen Tauchsieder für den Morgenkaffee, abends Liegefläche für 2. Mehr nicht. Die meisten Campingplätze verfügen über Küche, Dusche/WC. Wir hatten im Camper selbst eine Küchenzeile, Liegefläche, Tischli, WC. Wir meinen: Viel zuviel.
Hier frisst die Pythonschlange im Zeltplatz ein Opossum. Sie frisst sich nach oben, ihr Maul ist der weisse Querstreifen.
Es hat viele Echsenarten. Edlef freundet sich hier gerade mit einem selbstbewussten Exemplar an.
Edlefs Freund von nahe
Känguru mit Jungtier im Beutel

„Wo sind denn die Kängurus?“ fragten wir uns. Wir haben so viele überfahrene Tiere auf der A1 gesehen, dass wir sicher wussten, dass es Wallabies und Kängurus in Mengen gibt. Aber wir hätten sie gerne lebendig in ihrem natürlichen Umfeld gesehen, statt als traurige Fleischklumpen auf der Strasse. Zuletzt resignierten wir und besuchten einen Zoo, um diesen Tieren näher zu kommen.

Die Kängurus im Zoo sind handzahm und nehmen gerne Futter aus der Hand an.

Damit die Pacific Road nicht ganze Lebensräume trennt, sind über der 4-spurigen Schnellstrasse schmale Hängebrücken für Tiere gespannt. Vor allem hat man an Koalas gedacht, aber auch an andere kleine Säugetiere.

Solche Hängebrücken führen über den viel befahrenen Pacific Highway. Man bestätigte uns, sie würden von den Tieren gut genutzt
Die furchtbaren Brände haben Spuren hinterlassen. Aber niemand redet mehr davon. Mit Macht grünt es wieder nach dem Regen