11. Taxifahrt zum kleinen Paradies mit Kuhfladen

Wir stiegen gerne aus dem überfüllten Zug aus in Madgaon. Wie von allen Reiseführern empfohlen, gingen wir zum Prepaid Taxistand. Das ist eine geniale Einrichtung des indischen Staates. Man nennt dort Zielort und bestimmt dir Taxiqualität (mit oder ohne AC, Grösse), bezahlt einen fairen Preis und erhält einen Taxifahrer zugewiesen. So ist die Fahrt nicht anonym. Gefahrlos ist sie deswegen noch lange nicht. Zumindest nicht nach Schweizermassstäben. Das Tempo? Immer schneller als erlaubt. Überholen? Auf jeden Fall. Egal wo. Egal wie, Hauptsache schnell. Es passiert aber nichts. Die Fahrer hupen wie wahnsinnig, aber nicht aus Wut, sondern als Sicherheitsmassnahme. Man weicht einander elegant und um Millimeter aus. Ich habe kaum ein Auto mit Beulen gesehen, also scheint alles recht gut und für alle zu funktionieren.

Palolem beach
Palolem gemächliches Leben bis zum Strand

In Palolem angekommen begann der Taxi ganz hektisch nach unserem Hostal „Cressida“ zu suchen. Eigentlich wollte er uns mitten auf der Strasse rausschmeissen, da erbarmte sich ein junger Motorradfahrer und erklärte ihm, wo die Einfahrt sei. Nicht genug, der junge Mann rief den Besitzer an. Der kam sofort und führte uns ins Hostal. Das Zimmer ist nicht viel mehr als ein Zelt, aber mit Dusche/WC. Es ist wunderschön gelegen mitten in einer üppigen Gartenanlage. Und das Meer ist so nah, dass wir es bis in unsere Träume hinein rauschen hören.

Unser Zeltzimmer

Heute Morgen gingen wir schwimmen. Das Wasser ist herrlich warm. Eine kleine Kuhherde läuft auf dem Strand herum, mit den ganzen Kuhfladen, die eine solche Herde eben produziert. Hunde, die niemandem gehören, rennen hinterher. Der Strand ist riesig, traumhaft gelegen und voll von kleinen Hüttchen, wie wir eines gemietet haben. Alles wirkt friedlich und freundlich.

Bei aller Romantik, wir sind froh, dass die Flut über Nacht jeweils die Kuhfladen wieder wegwäscht und der Strand jeden Morgen neu im makellosen Goldgelb erstrahlt. Ich freue mich auf die Woche, die wir hier verbringen werden. Wir wollen zur Ruhe kommen, die Weiterplanung der Reise angehen und eeeeendlich lesen.

Auch Kühe lieben den Strand

10. Was heisst schon „Korruption“?

Claudia schreibt: Heute, am 14.11. ist wieder Reisetag. D.h. um 4.30 Uhr morgens aufstehen und um 5.30 Uhr im noch fast dunklen Hampi mit einem Tuk Tuk abfahren. Es war kühl, d.h. 26 Grad. Wie sehr wir uns schon an die Wärme gewöhnt haben, merkten wir daran, dass wir froh um eine Jacke waren.

Der Zug kam dann in Hospet, dem nächsten Bahnhof von Hampi, um 8.05 Uhr an statt um 6.20 Uhr, also mit fast 2 Stunden Verspätung. Das störte niemanden, immerhin war der Zug bereits eineinhalb Tage unterwegs und nur 2 Stunden warten zu müssen, gelten kaum als Verzögerung. Der Zug fuhr ein. Er war übervoll mit Einheimischen, aber es hatte kaum Touristen. Beim Einsteigen merkten wir schnell, dass im Abteil die Leute noch am Schlafen waren.

Der Abfallberg entsprach der Länge der Reise, wobei schon bald nach dem Anfahren gewischt wurde.

Vor dem Abfallwischen. Bis dahin wateten alle im eigenen Müll.

Uns traf es ins selbe Abteil zusammen mit einem jungen Inder. Wir kamen schon bald ins Gespräch. Er träume davon, ein Stipendium nach Berlin zu kriegen. Viele seiner Freunde hätten dort studiert und viel gelernt. Er ist wie wir nach Palolem unterwegs. Dort möchte er mit seiner Freundin aus Frankreich zusammenleben für heimliche 4 Wochen. Seine Eltern dürfen nichts davon wissen. Er sei seit 2 Jahren mit ihr zusammen. Sein Vater ist Berufspolitiker. Er und seine Mutter seien davon überzeugt, dass ihr jüngerer Sohn genau gleich wie ihr Ältester irgendwann eine reiche Inderin heiraten werde. Eine solche Ehe werde auch heute noch von den Eltern arrangiert. Sie würden nicht nur die Braut bestimmen, sondern auch das fällige Brautgeld verhandeln und einstecken und den Zeitpunkt der Eheschliessung festlegen. Uns wunderte, wie selbstverständlich er darüber sprach und wie einverstanden er damit schien. Er sei bei seiner Freundin in Frankreich gewesen. Sie habe einfache und sehr nette Eltern. Aber eben… Sein Vater sei bei den letzten Wahlen nicht mehr ins Parlament gewählt worden. Dabei habe er doch Tausende an die Armen verteilt, damit sie ihn wählen würden. Korruption sei ein riesiges Problem in Indien. „Genau…“, dachte wir und wussten nicht so recht, wie auf seine Aussage reagieren. Ist nicht das der Klassiker jeder Korruption, sich Stimmen zu kaufen? Er möge Politik nicht, führte unser Reisegefährte weiter aus. Es gehe dabei nur um Geld. Wer genug Stimmen kaufen könne, werde gewählt. Der Gewinn bei Wahlsieg sei riesig. Wenn man für die Wahl etwa 5 Mio einsetze, erwirtschafte man nachher dank der politischen Stellung das 10-fache, wenn nicht mehr… „Genau…“, dachten wir noch einmal nur noch entsetzter, „so definiert sich Korruption.“

Die Bahnfahrt selbst war eindrücklich. Sie führte uns an saftig grünen Reisfeldern vorbei, durch Urwälder. Wir sahen Bäche und Flüsse und tiefen Schluchten. Am eindrücklichsten waren die hohen Wasserfälle. Indien ist riesig und fruchtbar. Was für ein gesegnetes Land.

9. Krishna ist Reiseführer

Das 2000 Seelendorf Hampi besteht praktisch nur aus Guesthouses, Restaurants, Verkaufsständen und Reisebüros.

Überall schreit und flüstert es: Kaufen, kaufen, kaufen. Und alle beginnen sie ihr Angebot auf die gleiche Art: „Where do you come from?“ um dann spätestens beim dritten Satz ihr Angebot zu platzieren. Wir haben auch in Hampi kein Reisebuch besorgt, sondern einen Reiseführer gebucht. Auf die Führung freute ich mich riesig. Es gibt so viele unglaubliche Bauten in Hampi, dass es nicht verwundert, dass es 1986 zu einem Unesco Weltkulturerbe deklariert worden ist.

Hochzeitssaal im Virupaksa-Tempel erbaut um 1443. Krishnas Hochzeitzeremonie hat hier stattgefunden.
Klangsäulentempel
Bad der Königin aus der muslimischen Besetzungszeit
Eine der unzähligen Relieffiguren

Das erste, was uns der Reiseführer sagte, war: alles werde gaaaanz langsam angegangen. So schlichen wir in der brütenden Hitze hinter ihm her über Ruinenfelder, guckten in ehemalige Tempel, besuchten dabei die Elefäntin Lakshmi, die Glück und Wohlstand bringe und hörten uns bestimmt 50 Mal an, dass man zwar nichts mehr sehe, aber alles sei „wirklich grossartig“ gewesen.

Den ganzen Tag steht „Lakshmi“ hier, „segnet“ Pilger und bringt dem Tempel gutes Geld ein.

Ich fand seine Ausführungen eher mager. Wie waren die Familienstrukturen? Wie genau haben die Menschen gelebt und gearbeitet? Und wie sahen die Frauen- und Männerrechte aus? Gab es Sklaven…? Hierarchien? Krishna sah bei solchen Fragen ziemlich verdutzt aus, machte aber kaum Kommentare dazu. Er erzählte, die Geschäftsleute hätten in den Bazaren Diamanten, Rubine und Gold per Kilo gekauft und verkauft ( Kilos????), Hampi sei so reich gewesen, dass die Mogule über die Stadt, damals bewohnt von 500’000 Personen, hergefallen seien. Sie hätten die Schätze gestohlen und als Muslime alle hinduistischen Heiligtümer systematisch entweiht. Sie hätten alle heiligen Tempelfiguren beschädigt. So verunstaltete Figuren können nicht mehr das Göttliche beinhalten und verehrt werden. Krishna schweigt und schaut düster vor sich hin. Man merkt deutlich, wie tief ihn dies als Hindu bis heute schmerzt und empört.

Damit war das Historische abgehakt. Krishna begeisterte sich aber für die verschiedenen Inkarnationen von Vishnu. Voll Feuer wies er auf das nahende Weltende hin. 3 Aeras seit Beginn der Welt seien vorbei. Jede Aera dauere 4500 Jahre. Wir seien in der 4. und letzten Aera und davon seien bereits 2019 (????) Jahre verflossen. Wir erwähnten das Gnusch mit seiner christlichen Jahresgebung nicht. Edlef wies dafür respektvoll daraufhin, dass man annehme, die Erde sei 4,5 Milliarden Jahre alt und fragte dann, wie Krisna das mit der vergleichsweise extrem kurzen Zeit seiner 4 Aera Rechnung vereinbare? Krishna schaute uns fast mitleidig an. Die Wissenschaft habe sicher recht, aber er sei dem Hinduismus treu, er glaube an die Aeras. Man sehe die Wahrheit dieser hinduistischen Sicht an den vielen Katastrophen und den Umweltproblemen wegen der Industrie… Wir waren verdutzt. Es hätte noch so manches zu fragen gegeben. Aber die Zeit verrann schnell. Krishna stürzte bei jedem Tempeln zuerst auf seine Kollegen los und hielt mit ihnen einen ausführlichen Schwatz, erst dann wurden wir weiter in die Altertümer eingeführt. Er bestand auf eine zusätzliche, halbe Stunde Breakfastpause, obwohl die Führung erst um 9.30 Uhr begann und er längst Zeit für ein Frühstück gehabt hätte, dann liess er uns stehen für seine mehr als stündige Lunchpause und unterwegs für weitere „Schwatzpausen“ mit seinen Bekannten. Ich war offen gestanden enttäuscht. Er brauchte ganz klar möglichst Ruhe vor uns, den nervigen Touristen.

Riesiger, nachgelegter Bereich des Maharadschapalastes

Trotzdem, wir haben den Tag aus vollem Herzen genossen. Hampi ist unglaublich und das mitten in einer atemberaubend schönen Landschaft und Krishna? Vielleicht sollten wir ihn eher als ein Stück Hampi und Folklore begreifen, statt als Reiseführer.

8. Zugfahren in Indien.

Wir sind nun für 2 Tage in Udupi. Verglichen mit Thrissur scheint uns die Stadt (165’000 EinwohnerInnen) fast ruhig. Aber auch hier dröhnen Baumaschinen, braust der Lärm und hupen die Autos. Für die Fahrt Thrissur – Udupi benützten wir den Zug. Es gibt recht angenehme Wartesäle am Bahnhof, darunter auch einen Saal nur für Frauen. Das Einsteigen in den Zug und die Anfahrt sind für uns brave Schweizer beängstigend. Offene Türen, auch während der Fahrt… aufspringen, wenn der Zug anfährt…all das gehört zum „fröhlichen“ Zugerlebnis. Uns aber stehen die Haare zu Berg.

Abfahrt eines Zuges in Thrissur, Kerala, Indien

Edlef schreibt: Die Fahrt selber war „interessant“. Wir hatten ein Bett oben und eines unten im 4-er Abteil. Einer der beiden Mitreisenden hatte sich schon zwei Kissen unter den Kopf geschoben und schnarchte fröhlich vor sich hin, sodass uns eines fehlte. Aber der Aufseher brachte uns schnell ein Ersatzkissen. Während etwa 2 Stunden schrie ein Bébé im Nachbarabteil wie am Spiess, weshalb die Nacht kurz ausfiel. Am Morgen Kaffee mit Guetzli, dann interessante Gespräche mit einem der Reisegefährten über das Leben eines gebildeten Inders in Dubai (er fühlte sich dort von oben herab behandelt) und in Singapur (er fühlt sich respektvoll angenommen und gleichberechtigt).

Dieser Beitrag ist nur für Alessia

Gropi und ich sitzen gemütlich beim Nachtessen. Gleich gegenüber sitzt eine Familie. Die Mutter stützt sich schwer mit ihrem linken Arm auf der Tischplatte auf und knetet vergnügt mit der Rechten in ihrem Teller eine Flade mit Currysauce zusammen. Auch das Mädchen zermanscht in ihrem Teller die Flade und bildet Bälleli damit, alles genüsslich und von Hand. Man berührt das Essen möglichst nicht mit den Lippen. Wer anständig essen will, muss sich die Knetbälleli in den Mund werfen. Alles darf nur mit der rechten Hand ausgeführt werden! Das ist ganz schön schwierig. Die linke Hand gilt als „grusig“ (damit wäscht man sich doch auf dem WC den Hint…). Der Vater der kleinen Familie gleich gegenüber schaut sich zufrieden um und wirft sich einen weiteren „Bollen“ ins Maul und – gorpst laut und deutlich durchs ganze Restaurant hindurch. Seine liebe Frau schliesst ihr Mahl mit einem letzten Schmatzger ab und tut es ihm nach. „Goooorps“. Eine so feine, kleine Frau kann soooo laut tönen? Liebe Alessia, das ist für uns eine ganz umgekehrte Welt. Was wir in Basel niemals tun dürfen, hier soll man es tun. Chinesisch essen üben viele. Aber erst indisch essen ist so richtig gut anders. Gropi und ich schlagen Dir vor: Jede Woche einen „auf indisch-ess-Tag“ einzuführen. Nicht vergessen zu rülpsen. Keinen Ton von sich zu geben ist unanständig. Die Köchin, der Koch hat sich schliesslich grosse Mühe gegeben. Darum ein herzliches „Goooorps“. Hier in Indien heisst es also: Sei anständig, iss alles per Hand und bitteschön, stütz dich auf dem Tisch auf mit dem linken Arm. Gropi und ich schockieren die Inder regelmässig, weil wir mit Gabel, Messer und Löffel essen, also nicht von Hand und dazu auch die linke Hand einsetzen. Wir stützen uns niemals auf und gorpsen auch keine Komplimente. Die Inder lassen uns in Ruhe, sie starren uns zwar neugierig an. Sie sagen aber nichts dazu, denn sie wissen schon lange: Diese Europäer haben einfach kein Benimm. Liebe Grüsse vom unanständigen Gromi und Gropi

7. Indischer Alltag in Thrissur

Berühmt ist Thrissur für die spektakulären Feste, den hinduistischen Riesentempel und die grosse Schule, wo indischer Tanz und Musik unterrichtet werden. In den Tempel darf man nicht, ausser man ist Hindu. Religion scheint omnipräsent zu sein, nicht nur wegen des Hindutempels und den Pilgern, sondern auch wegen der muslimischen Gebetsrufe und die weitherum sichtbaren Türme der 3.-grössten Kirche Indiens mit ihrem „Bibletower“. Wir sind hinaufgestiegen und wurden mit einer tollen Aussicht belohnt. Die paar Bibeln in verschiedenen Sprachen und neueren Datums, die zur Besichtigung hinter Glas liegen, beeindrucken wenig.

Da wir hier zuviel Zeit eingeplant haben, habe ich meine Haare hennarot gefärbt. Das dauerte eine gefühlte Ewigkeit und das Resultat war ein schreiendes „Quitschorange“. Das habe ich dann im Hotel und mit Noniöl dunkler gemacht. Edlef muss nun mit einer alten, quitschorange-schwarz gestreiften Frau herumspazieren. Er fällt mit seiner Grösse sowieso schon auf. Wenn schon auffallen, denn schon. Er findet es amüsant.

Aussicht auf Basilika Lady of Dolours in Thrissur.

Der Thrissuralltag hiess für uns in den Gässlein herumlaufen, hin und wieder ein Tuktuk für 30 Rappen nehmen, schauen, selbst beobachtet werden, also etwas – hm – langweilig. Anders erlebt es Edlef. Er ist begeistert, er nimmt Thrissur als Chance wahr, den Alltag der Inder zu beobachten.

Heute haben wir uns einen Führer genommen. Er arrangierte für uns einen Besuch in einer berühmten Schule für hinduistische Traditionen, Tänze und Musik. Sie liegt direkt ausserhalb von Thrissur. Wir hatten Glück und konnten am Vorabend der Feier des Geburtstages ihres Gründers die Vorbereitungen und eine eindrückliche Vorführung aus der Mahabharata miterleben. Toll war es, auch in die verschiedenen Schulräume hineinsehen zu können und den angehenden Musikern, aber auch den Künstlern für traditionelle Schminkkunst zuzuschauen und zuzuhören.

Zukünftige Visagisten üben auf Tontöpfen
Elefant vor dem Tempel wartet und wartet und wartet….

6. Thrissur – ums liebe Leben rennen

Claudia schreibt: So etwas schrecklich Untouristisches und Lebensfeindliches wie Thrissur habe ich noch selten gesehen. Lärmig, hektisch, staubig, anonym.

So muss, wer zum Tempelareal gehen will, eine der Hauptstrassen überqueren. Es hat zwar Zebrastreifen, sie sind aber bedeutungslos. Verkehrsampeln gibt es keine. So sind wir über die stark befahrene Strasse geschlichen, gehüpft – wie auch immer – und haben überlebt!!!

Das Hotel ist ganz im Zentrum. Düster, so etwas zwischen schmuddelig und muffig, mit glänzendem Boden. Die Aussicht aus dem Fenster ist „unübertroffen“.

Fensteraussicht.

Allerdings bin ich beeindruckt vom Essen im Restaurant schräg gegenüber vom Hotel. Auf einem Bananenblatt werden für knappe CHF 3.- Festessen serviert. Freundlich wird nachgeschenkt und nachgeschöpft soviel wir wollen. Sie haben uns sogar Löffel gegeben, damit wir einfacher essen können. Wir sind definitiv in einer anderen Welt gelandet, als wir sie gewohnt sind.

Ein vegetarisches Festessen und freundliche Menschen

5. „No problem!“

Unsere Indienreise hat sich erstaunlich einfach geklärt. Wir hatten viele Wünsche, aber keinerlei Gespür dafür, was denn realistisch sei. So konnten wir im Voraus nicht wirklich planen. Aber wie man in Indien gerne sagt:“No problem“, das gibt sich. Wir kannten ja die grossen Linien und jetzt vor Ort neu auch unsere Möglichkeiten. Auf dem Bild unten ist unsere definitive Reiseroute festgehalten. Wir haben gemerkt: In Indien zu reisen ist in vielem ähnlich wie in Südamerika und wegen der herzlichen Unkompliziertheit der Leute bei Alltagsproblemen tatsächlich „no problem“. Die langen Strecken, die viele Stunden Anreise nötig machen, unterschätzt man leicht. Indien ist ein ausserordentlich günstiges Reiseland, was Preis – Leistung betrifft. Erfreulich für uns und alle Touristen, die auf eigene Faust reisen wie wir.

Stationen: Cochi- Sitzung CWME, altes Fort, Altstadt; Appaluza – Kanäle und Ayurvedamedizin; Thrissur – Schule für traditionellen Tanz und Hindu-Musik; Udupi- lebendige Wallfahrtstradition; Hampi-Weltkulturerbe Tempelanlagen, grösstes hinduistisches Reich; Goa-Kirchen und Beach; Mumbai- Höhlentempel von Ellora, Höhlen von Elephanta, etc). Am 26.11. Abflug nach Siem Reap

Noch sind wir nicht frei. Wir sind losgereist, ohne zu wissen, was über die Hausabgabe in Hausen beschlossen worden ist. Vor unserer Abreise haben wir die direkten Aufbruchs- und Aufräumarbeiten minutiös geplant. Die Planung wurde im Endspurt komplett überfrachtet, weil Edlef auch im Oktober, also über seine aktive Berufszeit hinaus, in hohem Mass – ohne jede Entschädigung – amtliche Pflichten zu erfüllen hatten: Verschiedene Gottesdienste, Beerdigungen, Besuche, texten und vieles mehr. Schon eine Amtsabgabe selbst ist viel Arbeit, aber auch ein Haus räumen und übergeben. Edlef hat gerne die zusätzlichen Dienste erbracht. Ihm liegen die Menschen seiner Kirchgemeinde sehr am Herzen. Aber beim Haus Räumen fehlte uns seine Arbeitskraft. Er rannte für die Gemeinde und unsere ganze, private Planung fiel ins Wasser. Zum Glück sprangen Freunde ein. Danke! Noch einmal danke für die tolle Hilfe!

3. Taxidrivers und „No problem“

Die Gruppe für Theologie der Commission of World Mission and Evangelisme des ökumenischen Rates der Kirchen (WCC) verabschiedete sich am 2.11. voneinander. Alle waren ganz zufrieden. Dies hatte drei Gründe. Zum einen, weil der wichtige, theologische Text zur Eingabe im WCC bereit war, dann auch weil alles in einer guten und konstruktiven Stimmung durchgeführt werden konnte und der dritte Grund war die Dringlichkeit, mit der jeder und jede wieder zur eigenen Arbeit zurück wollte.

Edlef und ich wurden von einem Fahrer von Bishop George nach Appaluza chauffiert. Er wollte auf keinen Fall eine Bezahlung annehmen für die lange Strecke. Bischof George wolle, dass wir gut begleitet seien. Darum sei ihm unser Wohlbefinden so wichtig als wären wir seine eigenen Eltern. Wir waren zutiefst beeindruckt. Schön, so behütet ins Reisen hineinbegleitet zu werden.

Wie sehr dies zu schätzen ist, lehrte uns die Erfahrung mit dem Taxidriver vom Hotel in Cochi. Dieser verhalf uns zwar zu einer unglaublich günstigen, indischen Prepaidcard, er schleppte uns aber auch zu Kollegen, die uns unverschämt teuer Fisch servierten und er versuchte alles, damit wir Seidenteppiche für tausende von Dollars oder wenigstens unsäglich teuren Schmuck kaufen würden. Als wir nicht „anbissen“, wurde er nicht wütend, nicht einmal unangenehm. „No problem“ meinte er, aber versuchen könne man ja… Und dabei wackelte er mit dem Kopf in der unnachahmlichen 8-er Bewegung der Einhemischen. Edlef und ich üben sie. Denn die „no problem“- Haltung gefällt uns ausserordentlich gut. Auf schwyzerdütsch würde mal wohl sagen: „He nu so denn…“ Und das elegante Kopfwackeln wäre ein einfaches Schulterzucken.

4. Erstes Reiseziel Appaluza

Wir sind nun 3 Tage im „Venedig Südindiens“, in Allepey, gewesen. Breite, natürliche Kanäle werden mit Hausbooten befahren und für eine ansehliche Summe können Boote gemietet werden. Aber wir hatten keine Lust und kein Geld die Einheimischen mit einem teuren Ausflug zu beglücken. Wir waren ja bereits zum Abschluss der Konferenz mit einem dieser tollen Kähne unterwegs gewesen als Gäste des Kerala Counsel of Churches. Appaluza hat ein sehr angenehmes Klima. Die Sonnenuntergänge am Meer sind spektakulär, das Essen etwas scharf, aber fein. Appaluza ist auch grossartig für Ayurvedamedizin. Es hat erstaunlich wenige Autos, dafür viele uralte Velos und Tuktuks. Die beschauliche und fruchtbare Region bietet Touristen und Einheimischen viel.

Mitglieder der CWME mit Übersetzer Edlef