28. Moalboal

Schon lange freue ich mich auf die Schnorcheltage in Moalboal auf Cebu. Strahlend sind wir angereist. Die Adresse des Hostals war einfach zu finden. Dann aber wurde es kompliziert. Statt einer Angestellten an der Reception, die uns einen Schlüssel gegeben hätte, versteckte sich eine 7-Jährige im Eingangshüttlein und starrte uns ängstlich an. Nach verschiedenen Telefonaten kam ein junger, freundlicher Kerl und schloss uns ein kleines Zimmer auf, das ausser dem engen Doppelbett keinen Platz für einen Kasten oder Stuhl hatte. Da das (Loch?) Zimmerli zudem kein Fenster, sondern nur kleine Klappen hatte, sagte ich, ich würde mich weigern in diese Absteige einzuziehen. Da öffnete der Junge das Zimmer nebenan, wenigstens hatte es hier eine Stange für die Kleider und ein Fenster. Wir beschlossen, es „genug gut“ zu finden.

Moalboals Küste am Abend

„Gleich am Meer…“ stand in Booking.com in der Beschreibung zu lesen. Das stimmte, nur kann man das Meer weder sehen, noch gibt es einen Zugang. Eine sumpfige und teilweise zugepflasterte Front verhindert jede Verbindung. Wir waren wirklich enttäuscht. Pech“, dachten wir und marschierten der Hauptstrasse entlang in die kleine Stadt Moalboal. Dort erkundigten wir uns im Tourismusbüro nach den lokalen Möglichkeiten, fuhren in einem Tricyclo (Tuktuk) zur „Schnorchelküste“. Wegen der schlechten Lage des Hostals mieteten wir 2 uralte Velos zum Hin- und Herfahren. Sie hatten nur 1-Gang und waren schwer zum Treten. Aber wir dachten, Bewegung sei gesund und trampten unverdrossen auf den Rostlauben an den grinsenden Einheimischen vorbei zurück zum Hostal. Dort assen wir ein paar Früchte und versuchten, mit dem kaputten TV Nachtrichten zu schauen. Da brausten 4 junge Männer mit ihren Motorrädern heran. Sie stellten ihre Räder ab. Es war schnell wieder ruhig. Aber um 1 Uhr morgens kamen auch Frauen an und die Touristen begannen eine laute Party zu schmeissen mit Musik und begeistertem Gegröhle. Um 2 Uhr stolperten 2 der jungen Frauen sturzbesoffen in unser Zimmer und kotzten es voll, dann packten sie ihre Reisetaschen wieder und taumelten in ihr eigenes Zimmer. Eigentlich genügte mir das. Das Hostal hat uns als Fussgänger mit falschen Ortsveschreibungen angelockt, die abgebildete Terasse existierte nicht, wir konnten uns nicht sicher fühlen. Ich wollte nur noch weg aus dieser Absteige. Edlef ist geduldiger. So ein bisschen ausgehalten, hätte er es schon noch. Gerade er aber fand kurz darauf ein sehr schönes Hotel, kaum teurer und direkt am Strand mit dem erträumten Meerblick. Dazu liegt es genau dort, wo wir schnorcheln können. Wir informierten die Geschäftsführerin, dass wir das Zimmer frühzeitig wechseln würden. Sie schnaubte, wir sollten nur gehen, es gebe kein Geld zurück. Es war mir egal. Ich wollte nur noch weg. In solchen Fällen ist man als Individualtourist völlig ausgeliefert. Egal ob Vermieter das Blaue vom Himmel gelogen haben, die Buchung und die Zahlungsverpflichtung bleiben verbindlich. Zum Glück ist es keine teure Bleibe und der Verlust erträglich. Ärgerlich ist es trotzdem.

Es hatte immerhin 2 Räder…
Aussicht aus dem neuen Zimmerchen

27. Touristen-Weihnachten in den Philippinen

Weihnachten enthält traditionellerweise 3 Elemente: 1. biblische Botschaft, 2. Familie und 3. festliches Essen mit fröhlichem Zusammensein. Edlef hat sich hier in Cebu um das „festliche Essen“ gekümmert. Dazu hat er ein Restaurant gleich um die Ecke ausgewählt. Wir spazierten mitten am Nachmittag hin, weil abends die Küche geschlossen ist. Die Regenfront „Ursula“ hat um 15 Uhr so richtig heruntergeschüttet und ich war dankbar für den kurzen Weg. Im Restaurant wollten wir gerne einen Apéro. Nein, haben sie nicht, aber Smoothies. Hm. Zum Dessert wäre das zwar schön, aber als Apéro? Also bestellte sich jedes ein Glas Weisswein mit Mineralwasser mit Kohlensäure, das gibt einen „Gspritzten“ und der wäre toll. Da sie auch in der philippinischen Kultur fast nicht „nein“ sagen dürfen, brachte die Bedienung ohne Ankündigung fades Wasser ohne Kohlensäure, dafür mit Eis. Wir resignierten schnell, dann eben so. Wir wählten aus der Karte etwas Fleisch mit Pommes aus. Salat hatte es nicht. Gemüse hatte es nicht. Suppe hatte es nicht. …. Langsam begann ich zu jammern. Dann erinnerte ich mich daran, es soll ja in den Philippinen anders sein! Sonst hätten wir in der Schweiz bleiben können. Diese Binsenweisheit trifft auch hier zu. Klagen und europäische Wünsche gehören nicht hierher. Zuerst wurde mein (Plastik-)Teller mit einem winzigen Stücklein Fleisch und wenig Pommes serviert. Ich machte (wieder) ein langes Gesicht. Was um Himmels Willen machte denn dieses Restaurant gut? Edlef versprach mir zum Trost, ich dürfe ihm das magere Angebot während der ganzen Festtage vorhalten…und dann kam sein Essen! Ein Riesenteller mit einem Pommes-Berg und einem unglaublichen Maxiburger. Es hatte sogar Ketchup dabei! Damit war unser Weihnachtsessen mehr als gerettet. Als guter Ehemann gab er mir von seiner Platte ab. Satt wurden wir beide und das ist wohl mehr, als es hier viele von sich behaupten können.

Mein Plastiktellerchen (Achtung, die dunkeln „Rundummeli“ auf dem Teller enthalten nur ein wenig Soja)
Edlef, der Glückspilz.
Bradford United Church of Christ, presbyterianische Kirche in Cebu

Wir gingen um 18.00 Uhr in die presbyterianische Kirche von Cebu. Wie in vielen Kirchen fand abends die Sonntagsschulweihnachten mit einem Karaoke Chor statt. Uns hat es sehr gefallen. Die Feier war zwar ein bisschen brav und wurde von einer älteren Pfarrerin geleitet, die ganz langsam und offensichtlich nicht sehr vorbereitet durchs Programm führte. Aber es hatte genügend Junge, die energisch und klar Akzente setzten, damit der Gottesdienst lebendig blieb. Genau darum wollten wir in den Philippinen und nicht in Vietnam feiern, um mit einer christlichen Gemeinschaft zusammen sein zu können. Aber auch hier: von den weit über 100 Teilnehmenden gehörten wir zu den 10 Ältesten. Gesammelt wurde für die Opfer des heftigen Wirbelsturmes in Mindanao. Eigentlich hätte ich erwartet, dass sie für die Strassenkinder oder für die Integration der BettlerInnen und Prostituierten in Cebu sammeln würden. Aber wer schaut schon gerne auf die hauseigenen Probleme? Auch im Aargau schauen die Pfarrer weg, wenn es in ihren Kirchgemeinden Prostitutionszentren gibt. So zumindest lehrt es mich meine traurige Erfahrung.

Maria und Josef auf cebuanisch als lebendiges Bild mit SonntagsschülerInnen
Beim König Herodes

Als wir um 20.00 Uhr wieder zurück im Hotelzimmerchen waren, packten wir unseren Dessertbecher aus, tranken Kaffee und bissen in unsere Geschenkli (1 Snickers von mir für Edlef und 1 Marsriegel von Edlef für mich). Pommes mit Ketch up zu essen statt Reis und gleich noch Schokoriegel hinterher zu stopfen, ist in Cebu schon fast ein wenig dekadent. Aber he, es ist Weihnachten und wir haben Heimweh!

Unsere Weihnachtsgeschenke. Edlef schenkte mir ein Mars und ich ihm den Snickers Riegel.

Es gab dann noch eine kleine Skypekonferenz mit der Haltingerstrasse d.h. mit unseren nächsten Angehörigen. Wir sind unendlich dankbar, dass es allen gut geht, wir uns an unserer Familie freuen dürfen und hier eine etwas „schräge“ Weihnachten geniessen können.

26. Von Saigon nach Cebu

Vor Jahren habe ich in Saigon das Wasserpuppentheater gesehen. Das war toll. Darum habe ich Edlef bearbeitet, er solle sich das Traditionsstück unbedingt ansehen. Nun war er vor der Weiterreise tatsächlich dort. Er kam begeistert zurück. Die Geschichte mit Helden und richtig feuerspeienden Drachen und einer Entenfamilie hat ihm gefallen und die kunstvoll gearbeiteten Figuren haben ihn beeindruckt. Es habe viele Touristen gehabt, aber keine Kinder. Schade. Ich selbst war noch ziemlich kaputt und ging nicht mit. Es tat gut, einfach im Hotelzimmer ausruhen zu können.

Die Figuren können bis zu 15 kg schwer sein

Wir flogen gestern pünktlich um 15.20 Uhr in Saigon ab und kamen nach einem ruhigen Flug in nur 3 1/2 Stunden in Manila an. Der Flughafen, d.h. die Umsteigemodalitäten waren verwirrend. Anders als von der Fluggesellschaft in Saigon gebrieft, mussten wir in Manila nicht zuerst unser Gepäck abholen, sondern zuerst bei der Immigration anstehen und unser Visum holen, dann zum Auslieferband rennen, die Koffern abholen, diese aus unerfindlichen Gründen zu einem gleichgültigen Beamten rollen, uns gleich wieder umdrehen und einem anderen Angestellten die Reisekoffern in die Hand drücken. Dieser klebte einen gelben Streifen über die anderen Zettel und legte die Koffern auf ein Lieferband. Nichts war angeschrieben, ohne unser Nachfragen hätten wir gar nicht merken können, was wir genau zu tun haben. Es gab bei all diesen Aktionen kein Papier, keinen Check, keine offizielle Ansagen, nichts. „Na ja“, dachten wir, „möge das gut gehen“. Und die Sucherei nach dem gut versteckten, nationalen Teil des Flughafens begann. Wir fragten uns bei Suppe essenden Mitarbeitenden, Putzfrauen und offiziell aussehenden Menschen durch – et voilà. Wir waren frühzeitig am Abfluggate nach Cebu. Wir waren besorgt, ob unsere Gepäckstücke auch wirklich ankommen würden? Alles klappte perfekt und um 1 Uhr morgens standen wir im Hotel in Cebu mit Sack und Pack und konnten schlafen. Etwas nachdenklich hat uns die Beobachtung gemacht, dass wir beide bei weitem die ältesten Reisenden waren auf dem Flug. Dafür hatte es mehrere Babies und Kleinkinder mit ihren Müttern. Gerade 60 vorbei und wir sind schon wirklich alt in dieser Gesellschaft. Seufz. Der „Lebenserwartungsrechner“ sagt uns noch rund 22 Jahre voraus. Das ist aus einer Gesamtperspektive her gesehen wenig und macht jedes Jahr kostbar.

Das Zimmerlein in Cebu ist winzig. Es hat genau Platz für ein Riesenbett und einen TV. Wir können uns knapp zwischen TV und Bett zum Ausgang hindurchquetschen. Aber für uns ist es o.k. Weihnachten hier zu feiern ist schon etwas seltsam. Keine Familie, kein Bäumlein, nichts. Aber wir können die Weihnachtsgeschichte lesen und in einen Gottesdienst gehen. Darauf freuen wir uns.

Selfie für die kranke Ina: werde schnell wieder gesund!

25. Hoi An- schönste Stadt in Vietnam

Brücke in Hoi An mit Edlef

Zu den Folgen des Vietnamkrieges gehören die unwiderbringliche Zerstörung historischer Orte. Eine grosse Ausnahme dabei ist Hoi An. Das kleine 75 000 Seelenstädtchen im Süden von Hue ist berühmt wegen seiner gut erhaltenen Innenstadt und ist ganz auf Tourismus eingestellt. Überall hängen in der Innenstadt Lampione in allen Farben und in unterschiedlichen Formen. Die Touristen werden in Bötli herumgepaddelt, die mit Lampions geschmückt sind oder sie werden per Rikschavelos herumgefahren. Am Strassenrand stehen traditionell angezogene Fraueli herum, um den Touristen ihre Körbe über die Schultern zu hängen, in denen sie Waren transportieren. Das wollen sie abknipsen und dafür 10 Dollars einheimsen. (Wer so dumm ist und auf das Spiel hereinfällt…). Restaurants, Strassenküchen und Schneiderläden wechseln einander ab. In Hoi An gibt es autofreie Zonen in der Altstadt. Das ist ein ganz ungewohnter Luxus und wir freuen uns sehr darüber, uns für einmal nicht um Autos, Töffe, Sofas etc. herumwinden zu müssen, um ans Ziel zu kommen.

Edlef in der „Falle“.
Panoramaaufnahme

Reisen scheint uns nur solange schön, wie wir auch aktiv den Alltag und die verschiedenen Realitäten erfassen können. Sonst wird es schnell etwas fad. Das Leben rein phänomenologisch von aussen zu betrachten, ist nicht wirklich „unsere“ Sache. Um das ein bisschen zu korrigieren, haben wir uns in Hoi An in einen Lampionkurs eingeschrieben. Das alte Handwerk wird auf sympathische Weise von den Einheimischen an Touristen weitervermittelt. Erstaunlich viele Leute in jedem Alter nehmen an diesen Lektionen teil. Wir haben gemeinsam geleimt, gestreckt, gebogen. Fehl gehen konnte nichts und am Schluss wurde Applaus geklatscht für die neu entstandenen Lichterhüllen.

Die meisten Touristen in Hoi An kommen aus Südkorea und Australien neben recht wenigen Europäern und Nordamerikanern. In den Kursen nehmen keine Asiaten teil. Offensichtlich ist basteln nicht für alle gleich attraktiv. Für mich hat Handwerkliches viel mit Mittelschicht zu tun. Diese muss für den Alltag flicken, reparieren und kreieren können. Mittel- und Unterschicht muss sich auch billig bewegen können zu Fuss oder per Velo. Reiche lassen sich bedienen, lassen sich fahren, geben in Auftrag oder machen etwas Ausserordentliches, das längst nicht für alle möglich ist. Ich frage mich, ob für Asiaten Reisen eben doch vor allem Sache der Oberschicht ist und dementsprechend die Unterhaltung unterwegs auch weniger “ bäuerlich“ sein darf als für uns mittelständische Europäer?

Alles wird aus Bambus gefertigt. Diese sind unglaublich stabil und biegsam.

Das sind unsere beiden „Kunstwerke“

24. Reisefinanzen, Planung

Wer reist, braucht Informationen, Zeit und Geld. Wir sind pensioniert und haben erstmals in unserem Leben unbeschränkt Zeit für uns. Wir finden ganz gemütlich heraus, welcher Rhythmus für uns am besten ist. Bis jetzt bewährt es sich, 3 Tage an einem Ort zu sein. 1. Tag ankommen, sich einrichten und orientieren, dann 2 Tage gezielte Ausflüge oder Aktivitäten unternehmen. Es ist wenig erstaunlich, dass es schwierig ist, ohne ein Land zu kennen, mit dem nötigen „Gschpüri“ zu planen. Das „Gschpüri“ entwickelt sich erst durch den Kontakt mit der Realität. Angelesene Informationen sind längst nicht immer eindeutig genug einzuordnen. Vor Ort ist es immer nochmals anders. Das weiss zwar jeder, es auszuhalten, nicht alles schon vorab gesichert zu haben, ist nicht ganz einfach. So legten wir zwar die Reise in groben Zügen schon vor rund 1 1/2 Jahren fest, wir entscheiden aber tatsächlich über die Details erst im Land selbst. Das geschieht nicht spontan sondern nach 3 Kriterien: 1. Ist es landestypisch? 2. Spassfaktor? 3.Kosten? Bis jetzt ist es uns damit sehr gut ergangen. Wir haben problemlos Kontakte und erhalten von den fast immer freundlichen Einheimischen gute Hinweise, werden auf Probleme und Chancen aufmerksam gemacht, die wir sonst gar nicht sähen. Wir lernen dabei vieles über Mentalität und Ansichten der Einheimischen kennen. Englisch und Französisch sind in Asien sehr hilfreich. Ohne Sprache gibt es keine Kommunikation. Vor kurzem warteten wir am Hosteleingang. Da stürmte eine grauhaarige Spanierin an den Desk und stellte auf spanisch ein paar Fragen. Als die Empfangsdame sie nur hilflos anstarrte, wiederholte sie ihre Frage wieder auf spanisch, nur lauter und deutlich verärgert… warf dann ihre Hände in die Luft und zetterte: „Mich versteht ja sowieso niemand!“ Bevor wir auch nur die leiseste Chance hatten, zu ihr zu gehen und sie zu übersetzen, stürmte sie davon. Es gibt Leute, bei denen hilft alles nichts. Wie um Himmels Willen denkt die Frau, kann sie ohne weitere Sprachkenntnisse und ohne Hilfe zu Informationen kommen?

Frühstücksterasse im 5 Stock (zu Fuss raufsteigen)
Am Perlensee auf dem Hai Van Pass zwischen Hue und Da Nang

Vor unserer Reise wurden wir immer wieder darauf angesprochen, wie „unglaublich teuer“ doch reisen sei. Kann. Aber es ist wie mit wohl allem, Budgettreue ist das A und O. Finanziell haben wir uns ein Kostendach gegeben. Wir geben pro Monat unterwegs nicht mehr als max. 2500.- CHF aus für beide zusammen inklusive Ausflüge, Essen, Übernachtungen, Anschaffungen. Bis und mit den Philippinen, also bis zum Februar 2020 ist dies ganz leicht einzuhalten. Das Leben hier ist sehr viel günstiger als in der Schweiz. Die Herausforderung kommt in Australien, Neuseeland und den USA. Da wir Langzeitreisende sind, können wir nicht einfach bei Freunden unterkommen. Mal sehen, was möglich ist.

Trottoirs gehören in Vietnam eigentlich zum öffentlichen Besitz. Sie werden aber ausschliesslich privat genutzt als Restaurant, Stubenerweiterung, Geschäftsraum, Abstellplatz…auf keinen Fall sind sie für FussgängerInnen da. Das macht Spaziergänge ganz schön gefährlich.
Phöteli für Autofan Max. Das Auto steht natürlich auch auf dem Trottoir.

23. Heute Fieber…

Fieber beunruhigt mich daheim in der Schweiz nie. Jetzt aber unterwegs frage ich mich, ist es Malaria? Dengue oder so…? Edlef hütet mich im Hotelzimmer und wir beobachten, wie das Fieber weiter steigt und das schnell. Eigentlich fühle ich mich gar nicht so schlimm. Morgen wollen wir nach Hue weiter und dann nach Da Nang und Hoi An reisen. Na ja, bis jetzt fühlt es sich an wie eine verschleppte Erkältung. Air Conditioning sei Dank.

Die Temperatur ist steil angestiegen und wir gingen ins Spital. Nein, es ist keine Malaria, kein Denguefieber (juhui), dafür eine schöne Lungenentzündung. Wir sind in der Sprechstunde des Privatspitals sehr gut betreut worden. Eigentlich hätte ich dort bleiben sollen oder zumindest nicht weiterreisen. Aber der Flug, das Hotel…alles ist bestellt. Morgen reisen wir darum doch nach Hue und dort liege ich dann brav im Hotelzimmer und schlafe. Edlef war noch nie in Hue. Ich schon. Er wird die historische Kaiserstadt lieben und kann wenigstens alleine auf Entdeckungstour gehen.

22. Einen Kaffee trinken in Ho Chi Minh City im Saigon Skydecktower

Heute wollten wir im 49. Stock des berühmten Skydecktowers einen Kaffee trinken. Wir waren darauf gefasst, dass es teuer würde. Beim ersten Eingang hiess es, der Eintritt koste pro Person 10 Dollars. „Kann man im Skydeck Kaffee trinken?“ fragte Edlef freundlich. „Nein“, entschuldigte sich der junge Angestellte, das kann man nur im 52. Stockwerk. Die Fahrt nach oben ist dann gratis.“ „Wie teuer wohl ein solcher Kaffee wird?“ fragten wir uns etwas bange und marschierten zum nächsten Eingang. Wieder falsch. Zum Kaffee war es noch einen Eingang weiter. Wir wurden an die Rolltreppe verwiesen, dann über eine Brücke zum nächsten Kontrollposten, dann an einen ersten Lift, dann an eine Kontrolle, dann an einen letzten Lift und uff, wir waren im 52.Stock. Es hat hier eine phantastische Aussicht! Ho Chi Minh City ist in einer rasend schnellen Entwicklung zwischen Billigstmärkten und fancy Einkaufsstrassen mit Dior, Gucci, Adidas und 5 Stern-Hotels.

Das Beste an unserer Kaffeetour ist, wir kamen gerade rechtzeitig zur Happy Hour und statt einen völlig überteuerten Kaffees für CHF 9.- zu erstehen, tranken wir einen Apéro für CHF 6.-

Wir erleben immer wieder: Es ist etwas völlig anderes, ein ganzes, kompliziertes Prozedere zu durchlaufen und dann hochzufrieden z.B. im 52. Stock Apéro zu trinken, als von einem teuren Guide geführt, alles problemlos und langweilig perfekt hinter sich zu bringen. Wir haben uns geschworen, keine langen und teuren Gesamtpakete mehr zu buchen wie unsere Mekongriver Tour. Man hakt zwar die einzelnen Punkte und Events effizient ab, aber das Ganze hinterlässt das Gefühl,Teil einer anonymen Herde zu sein. Die Menschen, die wir an solchen Touristenevents kennen gelernt haben, sind freundlich, aber manche von ihnen sind auch beeindruckend leer.

21. Mekongriver und Abschied

Diese eine Woche ist anders im Rhythmus, als wir es uns in Indien fast schon ein bisschen angewöhnt haben. Wir kamen jeweils am angepeilten Ort an, orientierten uns sofort, fädelten allfällige Sightseeings ein und ruhten dazwischen. Pro Ort brauchten wir rund 3 Tage. Wir haben sie ausgedehnt, wo es uns gefiel.

Sich ganz langsam mit einer Touristengruppe auf einem Schiff den Mekong hinunter zu bewegen, war absolut entspannend. Man muss überhaupt nichts tun oder wissen, als rechtzeitig einzusteigen. An interessanten Orten wurde gehalten, es warteten bereits FremdenführerInnen auf uns und immer wieder gab es freundliche Gespräche mit den Mitreisenden. Es gab auch Ärger: die meisten Fremdenführer sind schlecht ausgebildet, wissen wenig, bettelten verstohlen um Geld für sich und redeten bei einer Gruppe von 28 Personen so, dass nur die vordersten 5 das Gesagte akustisch überhaupt mitkriegten, dazu hatten sie Akzente, die schwierig zum Verstehen sind und sie machten viele Englischfehler. Im Grossen und Ganzen aber war alles im Rahmen.

Immer ist das Wasser des Mekong tiefbraun und überall sind Abfälle am Mitschwimmen: Am Ufer sammeln sie sich in „Kurven“, vor den Häusern, bei Anlegestellen. Auch hier gilt, die Wohnregion sagt aus, wie wohlhabend die Familie ist. Wegen der Überschwemmungen und des Schmutzes leben die Ärmsten direkt auf dem Fluss in schäbigen Hausbooten, einfache Menschen direkt am Fluss und die Reicheren sind am Hügel daheim.

Ein lachender Buddha mache Menschen glücklich

Wir werden zu vielen buddhistischen Klöstern gebracht, aber zu keiner Kirche oder Moschee. Die Führer betonten die grosse Vergangenheit, von der wir (ausser vom Schreckensregime des Pol Pot) nur vernahmen, dass sie die Vergangenheit stolz mache. Gestern sahen wir zu beim Pop-Reis Machen und hörten von der heilsamen Wirkung von echtem Schlangenreisschnaps. Da dieser so begehrt sei, würde es fast keine Schlangen mehr geben und man müsse die Tiere auf Schlangenfarmen züchten. Heute waren wir bei einem stehenden, einem sitzenden und einem liegenden Riesenbuddha.

Stehender Riesenbuddha vor Ho Chi Minh City in My Tho
Der vielarmige Buddha bedeutet, dass er vielen hilft
In Reisschnaps eingelegte Schlangen mit Skorpion und Vogel kosten rund 15 Dollars

Dann fuhren wir auf zwei Inselchen. Auf der einen konnte man einen riesigen Python herumtragen (das arme Vieh bewegte sich kaum und wurde in einem ganz kleinen Käfig gehalten), vorher und nachher wurden wir durch enge Kanäle gepaddelt.

Im Hintergrund sieht man das kahle und kleine Käfig, in dem der Python lebt.
Unicorn Island, Tien River, Pleasure boats

Wir degustierten verschiedene Früchte und besuchten eine Bienenfarm. Dann fuhren wir auf eine Mittagess-Insel. Hin und wieder verstanden wir etwas von dem, was die Touristenführerin (die Frau eines Freundes des Reiseleiters) erklärte.

„Schulhaus“ der Boatpeople

Edlef hat es sich zur Aufgabe gemacht, eine WhatsApp Gruppe einzurichten zum Austauschen von Photos. Alle sind beigetreten und die Phöteli können zirkulieren. Der Reiseleiter war damit überfordert und für Edlef ist dies wirklich ein „Klacks“. Die Schwierigkeit lag nicht im Technischen, sondern im geduldigen Erklären und respektvollen Nachfragen.

20. Khmer Rouge

Edlef schreibt: Nach einer ruhigen Nacht auf dem Boot standen heute zwei Besuche bei geschichtsträchtigen Orten in Phnom Penh an.

Am Tag nach dem Ende des Vietnamkriegs 1975 zogen die Amerikaner ab und überliessen Kambodscha den kommunistischen Roten Khmer unter Pol Pot. Der führte sofort einen radikalen und grausamen Gleichheitswahn ein, entvölkerte alle Städte, schaffte Eigentum, Handel und Reisen ab und war in ständiger panischer Angst vor dem inneren Feind. Alle Brillenträger, Mehrsprachler und Leute mit weichen Händen wurden verdächtigt, mit dem CIA oder KGB zusammenzuarbeiten und wurden nach einer brutalen Folter, bei der ein „Geständnis“ und Namen von weiteren „Feinden“ erzwungen wurden, auf einem der 340 Killing Fields qualvoll hingerichtet. Dort starben in der 4-jährigen Schreckensherrschaft etwa 1,7 Mio Mitbürger der Roten Khmer. Weitere 1,3 Mio Kambodschaner starben an Hunger oder Krankheit. So sind damals von den 7 Mio Bewohnern fast die Hälfte umgebracht worden.

Als dann die Weltöffentlichkeit endlich davon erfuhr und Vietnam in einer Blitzintervention anfangs ’79 dem Spuk ein Ende bereitete, stellte sich die UNO auf die Seite von Pol Pot, da man den Kommunismus von Vietnam/Russland mehr fürchtete als den von Kambodscha/China. Verrückte, wahngesteuerte und ideologisierte Fehlentscheide.

Das alles liegt erst 40 Jahre zurück und wir konnten das Foltergefängnis samt Gespräch mit Überlebenden und eines der Killing Fields besuchen. Nur 5 der damaligen Verantwortlichen sind angeklagt und verurteilt worden, für alle anderen gilt eine Amnestie. Die damals 15-jährigen Landarbeiter in Uniform sind heute also erst 55-jährig… aber niemand hat Lust darüber zu sprechen. Seit 40 Jahren nun regieren ehemalige Khmer Rouge das Land und die Regierungspartei errang erst kürzlich wieder in „demokratischen“ Wahlen 123 der 125 Parlamentssitze… Wer’s glaubt.

Insgesamt ein erschreckender, aber auch einsichtsreicher Tag. Nun aber flussabwärts nach Vietnam.

Edlef kriecht in eines der Tunnels aus dem Vietnamkrieg in Cu Chi Memorial (Bei Ho Chi Minh City)

19. „Hello – I love you … !“

Das Schiff, mit dem wir von Siem Reap nach Ho Chi Minh City fuhren.

Die Reisegruppe besteht aus insgesamt 28 Personen. Sie kommen aus Australien, den USA und aus England. Wir sind die einzigen, deren Muttersprache nicht Englisch ist. Es gab keinerlei Vorstellungsdynamiken. Trotzdem wussten wir sehr schnell die Namen untereinander. Die meisten sind pensioniert. Gestern und heute gab es echte Touristenhotspots: Velofahren zu einer Ziegelbrennerei. Dort werden von Hand Backsteine hergestellt von Frauen und über 80- jährigen Männern. Da es eine harte, mühsame Arbeit ist, ist sie mit Sicherheit sehr schlecht bezahlt.

Wir erhielten Einblick in die dörfliche Produktion von Waren zum Verkauf an Einheimische und Besuchende: Eine Töpferin demonstrierte, wie sie Krüge ohne Töpferscheibe herstellt in perfekter Symetrie und ein Bauer erkärte uns, wie Palmwein gewonnen und Palmzucker produziert wird.

Die einfachen Ziegel werden mechanisch geformt
Ein Einheimischer demonstriert Touristen, wie Palmwein produziert wird
Per Ochsenkarren weiterfahren geht ganz langsam und gemütlich und wird in der Art vor allem für Touristen organisiert

Wir liessen uns von Ochsengespannen durch die Dörfer ruckeln, fast alle unserer Mit-Touristen holten sich den Segen eines buddisthischen Mönchs und zahlten dafür. Edlef und ich beobachteten die Segnung fast ein bisschen betreten: mit wieviel Sehnsucht viele unserer Mitreisenden auf den Mönch zukrochen, um wie verlangt, „respektvoll“ den Segen entgegen zu nehmen! Wer hätte das von all den Lehrern, Juristen, Ärzten und Krankenschwestern, Geschäftsleuten und bodenständigen Unternehmern gedacht?

Der Mönch segnet und erhält sein Geld

Und dann sind wir stundenlang auf einem Nebenfluss des Mekongs gefahren, an schwimmenden Dörfern vorbei und winkenden Kindern: I love you! Madam – Sir…! Hello.

Schwimmendes Dorf
Die Märkte sind farbenfroh und vieles, was angeboten wird, ist uns fremd
Kinder werden zur “ schwimmenden Schule“ gepaddelt.