

Der Winter ist gekommen. Es ist kühl/kalt und oft regnerisch. Aber die Neuseeländer sind umgänglicher und entspannter geworden. Es hat hier keinen einzigen aktiven Covid-19 Fall mehr. Alle sind stolz und glücklich darüber: „Das haben wir gut gemacht“, hören wir immer wieder in Gesprächen. Während der Krise hatte die Bevölkerung oft einen harten, abweisenden Umgang mit Fremden. Aber es habe auch 35% mehr häusliche Gewalt gegeben, wurde in den Nachrichten gemeldet. Zum Glück blieb die Regierung humanitär offen und lösungsorientiert. Sie machten zwar strenge Vorschriften, aber „be kind“ war ihr Motto.

Edlef und ich sind fasziniert von der japanischen und schwedischen Freiwilligkeit, welche Covid-19 sehr ernst nimmt, aber auf die Mündigkeit und aktive Begleitung der Bevölkerung setzt statt auf Strafen und Verbote. Sie fragen nach den Risikosituationen, wo es zu erhöhten Ansteckungen kommt: kein singen/ Karaoke, keine Barbesuche, Menschenansammlungen in geschlossenen Räumen meiden und keine Grossveranstaltungen. Hygiene.

Wir haben von der Notlinie des Reisebüros für den Juli ein Rückreiseticket offeriert bekommen. Das ist zu langsam. Wir müssen dringend Verschiedenes ordnen und erledigen in der Schweiz, die finanzielle Planung erlaubt es uns nicht, länger im teuren Auckland zu bleiben, die Versicherungen laufen aus, es ist höchste Zeit, auch wieder unsere Familie und Freunde zu treffen, zu vernehmen wie es ihnen geht. Das Heimweh beginnt.

Edlef hat sich in der Zeit in Auckland pro App-Lösung von 45 auf 9 Minuten gesteigert! Alles im Selbststudium.

Wir haben den Fluggesellschaften direkt telefoniert. Das hiess pro Fluggesellschaft eine ganze Stunde in der Warteschlaufe bleiben und dann etwa eine halbe Stunde lang verhandeln. Noch leben 50’000 „Gestrandete“ in Neuseeland. Sie alle sollen irgendwie heim können. Kein Wunder, dass die Linien überlastet sind. Auch sind noch längst nicht alle Neuseeländer zurück. Erst vor kurzem ist ein Sonderflug voll Neuseeländern aus Indien gelandet. Unsere Warterei in der Telefonschlange hat sich gelohnt, Edlef konnte Flüge arrangieren, die uns nun am 9./10. Juni in die Schweiz führen sollen. Die Reise hatte keine Varianten. Nur eine einzige Flugmöglichkeit führt von Auckland nach Los Angeles, es ist nur ein einziger Weiterflug möglich nach London. Darum müssen wir eine sehr knappe Umsteigezeit in Los Angeles in Kauf nehmen. Wir sollen innerhalb von nur 95 Minuten unser Gepäck abholen, durch den Zoll gehen, durch die Sicherheit, neu einchecken, erneut durch die Sicherheit und im riesigen Terminal Tom Bradley zum Dock rennen, um pünktlich im Flugzeug der British Airways zu sitzen. Wir waren auch früher schon im Transit in LA. Es war nicht lustig. Aber unmöglich ist es nicht. Wir hoffen, dass alles klappt. Wie wir die Situation einschätzen, wird es im Juli nicht einfacher sein, nur später.

Wir haben viel über Neuseeland und den Alltag hier gelernt. Ich bin überzeugt davon, Neuseeländer hätten keine Freiheitsstatue, sondern eine Gleichstellungsstatue. Der friedliche und egalitäre Umgang ist ihnen zentral. Sie haben als erstes Land der Welt das Frauenstimmrecht eingeführt, als erstes Land ein Sozialsystem für alte Menschen und Bedürftige. Diese haben so etwas wie einen Grundlohn für ihr tägliches Leben. Pensionierte erhalten Gratisdienstleistungen z.B. wird ihnen der Rasen geschnitten, eingekauft u.a. Die Regierung setzt darauf, dass alte Menschen in ihren eigenen vier Wänden bleiben können möglichst bis zum Tod. Allerdings ist auch hier Einsamkeit ein sensibles Thema. Minderheiten werden geachtet. Maori haben viele Sonderrechte und Ressourcen, um ihre Kultur und Traditionen pflegen zu können. Ich muss gestehen, ich bin beeindruckt von vielen ihrer nachhaltigen Regelungen und dem Alltag in Neuseeland.
