Heim reisen? Wir sind soweit, dass wir fast nicht mehr wissen, wie das buchstabiert wird. Alle unsere Flüge sind wieder gecancelt. Es war so wunderschön, einen Rückflug zu haben… Wir haben die Bestätigung fast eingerahmt. Und jetzt stehen wir wieder am Ausgangspunkt. Es ist wie ein Leiterlispiel. „Vorwärts! Alles klappt!“ Und dann: „Oups Du rutschest runter! Alles ist gecancelt, zurück auf Feld 1.“


Die Notlinie des Reisebüros funktioniert und nimmt sich nun doch wieder des Problems an. Aber es daure noch lange Wochen bis zur Lösung, wurde uns mitgeteilt. Inzwischen wird es in Auckland von Tag zu Tag kälter. Mit unseren Hochsommerkleidern wird es schlotterkalt, und ich bin froh, dass die Kleiderläden wieder geöffnet haben. Wenn ich mich über die Kälte beklage, staunt mich Edlef ungläubig an. „Nein, kalt ist es nicht“, widerspricht er. Aber mir genügt es, ihn anzusehen, wie er in seinem dünnen, kurzärmligen Sommerhemd herumspaziert und schon klappern mir die Zähne. „Wir besorgen uns heute Pullis“, habe ich Edlef mitgeteilt. Er hat mich etwas grummelig angeschaut, aber wir sind doch zur Einkaufsstrasse gelaufen. Wer meint, man könne einfach in die Warenhäuser spazieren und seine Einkäufe tätigen, täuscht sich. In die Lokale dürfen nur wenige Kunden eintreten, die anderen müssen nach wie vor in einer Schlange mit Sicherheitsdistanz anstehen. Am Eingang liegen Listen auf, in die man sich eintragen muss. Namen, Telefonnummer, Zeit… Ich finde das lästig, auch wenn ich begreife, dass es für das „Tracking“ von neuen Covid Fällen wichtig sein kann. „Wie wollen Sie sich hier in Neuseeland anstecken?“ wagte ich eine Verkäuferin zu fragen, „Sie haben hier doch gar keine Covid-Fälle mehr!“ Oups, damit betrete ich „Glatteis“. Wenn ich den Mund öffne und mein Akzent wird hörbar, wird mir sofort mit schreckgeweiteten Augen die klassischste aller klassischen Covid-Fragen gestellt: „Seit wann sind Sie in Neuseeland?“ Ich habe kein Verständnis für diese Angst-Frage. Wer frisch nach Neuseeland kommt, wird sofort und wörtlich eingesperrt. Es bedeutet 14 Tage knallharte Quarantäne in einem abgeschotteten Hotel mit nur 1/2 Stunde Spaziergang pro Tag im Freien und zwar unter Polizeiaufsicht. Alle wissen das. Warum dann diese Angst?

Unser Alltag gestaltet sich ruhig. Edlef ist oft am Programmieren. „Von den 4 Aufgaben habe ich eine auf Anhieb richtig gelöst“, strahlt er. Er kam gestern damit ca. auf Platz 7600 im Google Wettbewerb mit fast 14’000 Teilnehmern. Es nahmen viele Nationalitäten teil daran. Über die Hälfte der Wettbewerbsteilnehmer sind Inder. „Warum hat es nicht mehr Chinesen? Russen oder Amerikaner?“ wundert er sich. Und dann vertieft er sich wieder in seine Computer-Aufgaben.

