
Es ist eindrücklich, was Covid-19 bewirkt. Die medizinische Seite der Krankheit ist ernst zu nehmen. Daran rüttle ich nicht. Aber was bedeutet das? Die Belastung aller ist wegen der scharfen Massnahmen hoch. Es wird mit mehr häuslicher Gewalt gerechnet, Depressionen wegen hoffnungsloser Vereinsamung werden akut, wirtschaftlich schlimme Einbussen bestürzen Menschen. Wirtschaftliche Einbussen sind vor allem ein Problem der Mittelschicht, die versucht, sich in eine etwas bessere Situation empor zu arbeiten und nun durch drohende Arbeitslosigkeit und finanzielle Unsicherheit zurückgeworfen wird. Gute Schulen, Studien Weiterbildungen, alles muss hier privat berappt werden. Aber das sind nur ein paar der unbeantworteten Fragen im Zusammenhang mit der Pandemie. Die Folgen umfassen weit mehr als den medizinisch-technischen Aspekt. In den beiden folgenden Links sind zum einen ein kurzes Video zu finden, das auch mit meiner Mitarbeit im WCC/Genf gegen Gewalt in Coronazeiten entstanden ist und zum anderen das ausführliche Statement eines kritischen Virologen.

Menschen benehmen sich in dieser Pandemie nicht einfach solidarisch, wie es wieder und wieder in den Medien behauptet wird, sondern sehr schnell obrigkeitsblind. In Neuseeland wurden über 50’000 Denunzierungen gemeldet. Brave Menschen haben ihre Nachbarn verpfiffen, weil sich diese nicht „weisungskonform“ verhalten würden. Zum Glück geht es hier nicht um Situationen wie im 2.Weltkrieg. Aber ich frage mich, ob es nicht doch gewisse Verhaltensparallelen gibt? Alle waren und sind davon überzeugt, nur „zum Wohle aller“ zu denunzieren. Die angeblichen „Sünder“ werden z.T. schlimm behandelt. So wurden Austauschschüler, die möglicherweise in Kontakt mit Covid-19 Infizierten waren, von ihren Gastfamilien nicht nur gemeldet, sondern regelrecht eingesperrt. Niemand hat ihnen das befohlen. Nicht wenige der Gastfamilien haben die Weisungen der Regierung einfach so interpretiert. Sie haben aufgehört, mit den betroffenen Teenagern zu reden und haben sogar begonnen, deren Essen zu rationieren. Alte Menschen brechen vor lauter Einsamkeit in Tränen aus, wenn jemand Kontakt mit ihnen aufnimmt und das wird auch noch gefilmt und im TV gebracht, in der Absicht, die „Wohltätigkeit und Solidarität“ der Gesellschaft zu dokumentieren. Solche Beiträge sind von einem derart herabwürdigenden Paternalismus, dass es mich als Zuschauerin sprachlos lässt. Viele Kirchen sind geschlossen, ohne jede Hilfsnummern anzugeben, wo Gespräch und Unterstützung zu finden seien. Andere machen dies besser z.B. die Auckland Mission. Es scheint der Gesellschaft wichtiger, das Risiko einer Ansteckung auszuschalten, als die Menschenrechte ins Zentrum zu stellen und zu schützen. Es gelten jetzt andere – eben Pandemie geprägte Massstäbe. Ist das akzeptabel? Menschen innerlich „zum Wohl aller“ menschlich „verhungern“, bzw völlig vereinsamen zu lassen, ist und bleibt eine heftige Menschenrechtsverletzung und in Neuseeland gibt es mit Sicherheit mehr von diesen Menschen als Covid-19 Fälle. Die Paranoia um Corona hat dazu geführt, dass selbst Paare sich voreinander isolieren und im Abstand von 2 Metern essen.

Erfahrungen mit dem Lock down in Neuseeland

Sollten wir tatsächlich heimreisen können im Juni (der Juni ist als Sicherheitsdatum gewählt), wird es eine Reise ohne Schlafmöglichkeiten sein ausser im Transitbereich am Boden. Vielleicht haben wir Glück und es gibt in unserem Terminal „Sleeping boxes“? Wenn wir den Transitbereich verlassen würden, etwa um eine Nacht im Flughafenhotel auszuruhen, würden wir zum jetzigen Zeitpunkt in allen Transitländern sofort in Quarantäne gebracht. Warum mir das Sorgen macht? Menschen in Quarantäne sind isoliert. Sie haben keine Bewegungsfreiheit, kaum Selbstbestimmungsrechte und müssen dafür auch noch teuer bezahlen (z.B. USA). Auch in Neuseeland werden Neuankömmlinge bei ihrer Ankunft sofort in Gewahrsam genommen und in einem Quarantänehotel für 14 Tage weggesperrt. Nur unter Polizeiaufsicht dürfen sich diese Art von „Sträflingen“ täglich eine halbe Stunde im Freien bewegen. „Sünder“, welche die Ausgangssperre übertreten haben, werden von der Polizei gebüsst. Immer wieder müssen sich solche Menschen als üble Beispiele in einem öffentlichen „Shaming“ per TV entschuldigen. Das wird von den Medien nicht systematisch, aber immer wieder so gehandhabt. Ich meine, der Staat und die Medien haben hier Grenzen überschritten, die gegen wichtige Grundlagen unserer westlichen Gesellschaft verstossen. Alle meinen es ja „nur“ gut, warum also derartige Bedenken? Jetzt, wo es eigentlich keine Coronafälle mehr gibt in Neuseeland, schliessen sie im TV nahtlos an mit Ansagen für „Distancing“ wegen Grippe… Ich bin zutiefst besorgt und staune, wie leicht die Bevölkerung dazu gebracht werden kann, Grundrechte aufzugeben. Und es wirkt fast lächerlich, wenn Gesundheitspersonal gelobt und ausgezeichnet wird, das nie im Einsatz stand. „Gott sei Dank war das so!“ kann man sagen oder man kann nach der Verhältnismässigkeit fragen. In religiösen Gedichten und in politischen Auftritten, tönt es unglaublich edel, wenn obrigkeitliche Restriktions-Anordnungen unhinterfragt angenommen werden. Im unten kopierten Text wird Religion genau dadurch zum „Opium für das Volk“. Im Kontext der Covid Krise darf es nicht tönen, als wären wir hilflose Opfer, Gefangene in einem „Konzentrationslager“.
