49. Der Lock down wird zum Alltag

Die Kriterien des Lock down sind klar. Alles funktioniert nur noch auf Distanz. Lebensmittel einkaufen ja, aber pro Haushalt geht nur eine Person. Angestanden vor Lebensmittelgeschäften wird in Schlangen mit 2m Abstand vom einen zum nächsten Kunden. Draussen spazieren ja, aber möglichst allein, dabei unterwegs nichts berühren und nur um den eigenen Häuserblock gehen.

Geduldig wartende Kunden. In der Tiefgarage beginnt die Warteschlange
1 raus, 1 rein. Nach rund einer Stunde hat man sich als Kunde nach vorne „angestanden“.

Heute hatten wir Glück und warteten nur 45 Minuten in der fast unendlichen Warteschlange vor dem Lebensmittelladen, bevor wir hinein konnten. Alle schmunzelten, als ein Mann, verschämt grinsend, mit 2 Riesenpaketen Toilettenpapier an den Wartenden vorbeihuschte. Man sieht keine Hamsterkäufe. Mehr als 2 Einheiten vom gleichen Produkt darf man nicht erstehen.

Internationale Toilettenpapierwitze kommen via Schweiz zu uns. In Neuseeland sitzt der Schock noch zu tief. Niemand mag selbstironische Witze reissen.
Camperwagen mit Bett, eingebauter Toilette/Dusche und Kochnische für hängen gebliebene Touristen in Auckland. Sie müssen vor Ort bleiben.

Von den verstreuten Backpackers, die wir noch vor kurzem in den Pärken angetroffen haben, ist keine Spur mehr zu sehen. Alle müssen an einem klar definierten Ort bleiben, den sie für 4 Wochen nicht mehr verlassen dürfen. Tun sie es nicht freiwillig, werden sie zwangseingewiesen.

An der Wand kauert ein Obdachloser. Er konnte sich der Weisung offensichtlich entziehen. Auf der Strasse leben müssen, ist immer hart, aber jetzt? Wir können ihm kaum helfen, ihn allenfalls auf die offenen Türen der Auckland Church Mission hinweisen?
Auckland Church Mission mit Menschen davor, die für Hilfe anstehen.

Die Regierung macht grosse Anstrengungen, damit diese scharfen Anordnungen beachtet und von der ganzen Bevölkerung mitgetragen werden. Sie zieht die Regeln unerbittlich streng durch. Ein Flugzeug, das deutsche Touristen nach Berlin bringen sollte, durfte die Rückkehrer nicht transportieren, da sie an Bord zu bringen bedeutet hätte, sie aus allen Ecken des Landes anreisen zu lassen. Niemand darf mehr reisen. Viele schütteln den Kopf und fragen sich: Warum sind so viele Touristen viel zu lang im Land geblieben? Solange bis es zu spät war? Das Verurteilen fällt leicht. Aber es ist nicht einfach, sich informiert zu halten, gerade für jene, die auf Wanderungen sind oder wenn sie an entlegenen Orten mit keinem oder nur schlechtem Internetempfang eingemietet sind. Viele Touristen und „working holiday visitors“ leben in Unterkünften ohne TV und Radio. Auch Edlef und ich sind nur per Zufall rechtzeitig in Auckland angereist und haben gerade noch vom 4 Stufenplan der Regierung erfahren, bevor jede Vorbereitung unmöglich wurde. Auch wir lebten ohne Radio und TV. Inzwischen erreichen uns Pushmeldungen zu Covid-19 regelmässig per Handy. Aber das auch nur, weil wir uns eine inländische SIM-Karte gekauft haben. Das machen längst nicht alle Touristen. Wer erst spät gemerkt hat, wie schnell die Lage in Neuseeland ernst wird, hat wenig Chancen, noch einen Flug zu finden. Und sollte es doch gelungen sein, gibt es noch die Preisfrage. Viele Tickets kosten plötzlich unverschämt viel und längst nicht alle können soviel „spontan“ berappen.

Bier-Reklame für „Happy Hour“ …with Corona
Normalerweise sind diese Highways durch Auckland zu dieser Zeit überfüllt.

Auckland ist eine leise und traurige Stadt geworden. Viele Menschen strahlen Einsamkeit aus. Vor allem scheinen uns Touristen, aber auch Chinesen, egal ob diese bereits Jahrzehnte in Neuseeland leben, beliebte Bashing Opfer der Einheimischen zu sein. Die regelmässige Mahnung am TV „be kind“ ist wichtig und wird Gott sei Dank von vielen verstanden.

Die Fährschiffe funktionieren, aber wie die Busse praktisch ohne Fahrgäste

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