Es ist soweit! Seit Mitternacht ist in ganz Neuseeland Lock down. Niemand darf reisen, niemand darf sich mit Menschen aus einer anderen „bubble“ treffen, ausschliesslich Lebensmittelladen und Apotheken sind geöffnet. 202 Covid-19 Erkrankte sind bereits gemeldet, 0 Tote Die Behörden erwarten, dass Tausende angesteckt werden. Wo die Menschen in dieser Nacht geschlafen haben, müssen sie 4 Wochen lang bleiben.

Gestern sind wir durch 2 kleine Parks spaziert. Die Menschen halten bereits Distanz zueinander. Niemand lächelt dem anderen zu, auch nicht über 3 Meter hinweg. Alle weichen einander aus und schauen dabei auf den Boden. In den Parks haben wir mehrere Obdachlose und gestrandete Touristen mit ihrem Gepäck getroffen. Haben sie einen Plan B? Es habe 270’000 Reisende in Neuseeland, die nun obdachlos seien. Hier kommt der kühle Herbst mit Regen und Wind. Es ist ganz einfach bedrückend. Viele reagieren gestresst. Kurz vor dem endgültigen Schliessen der Kleider- und Schuhladen wollte ich mir ein Paar feste Schuhe kaufen. „Was machen Sie hier beim Shoppen?“ schnauzte mich die junge Verkäuferin an. „Ich brauche wenigstens ein einziges Paar Schuhe für den Herbst,“ verteidigte ich mich und weise auf meine Badeschlärpli. Einheimische haben selbstverständlich Herbst- und Winterkleider daheim. Wir aber sind mit nur einer mittleren Koffer pro Person unterwegs. Für unsere „sommerliche“ Reiseroute mit leichter Kleidung ist das ideal. Aber jetzt? Hier? Ich mag nicht daran denken, was passieren würde, wenn sich Edlef oder ich erkälten würden und husten müssten… Eine wachsende Intoleranz und richtige Angst werden bei den Menschen spürbar.

In all der aufkommenden Unfreundlichkeit, wo Menschen einen richtigen „Schreck-Gump“ nach hinten nehmen, wenn sie merken, dass wir Touristen sind, haben wir auch Aussergewöhnliches erlebt. Ein älteres Paar aus Napier hat uns spontan und aus echter Sorge heraus eingeladen, bei ihnen in der Dépendance die Quarantänezeit zu verbringen. Leider konnten wir das Angebot nicht annehmen. Wenn wir je wieder weiter- und heimkommen wollen, müssen wir hier in Auckland bleiben. Die strenge Sperrzeit dauert im Moment 4 Wochen, es könnte aber auch um einiges länger werden. Vergessen werden wir aber die Herzensgüte von Tony und Christine nie mehr.

Wir haben nun für den 6. April den nächsten Routenteil zugeschickt bekommen. Es bedeutet, ausgerechnet umsteigen in Los Angeles, Kalifornien. Wer will denn über die immer schlimmer betroffene USA reisen? Aber diese Flüge funktionieren noch. Gelingt es, kommen wir wie geplant für einen Monat in ein fast Covid-19 freies Gebiet.
Die Ungewissheit ist gross. Wie entwickelt sich das Ganze weiter? Vielen und auch uns geht es im Moment gut. Aber die unglücklichen Touristen im Park machen tiefen Eindruck auf mich. Man stirbt nicht nur an Covid-19. In der Schweiz würde ich auf diese Menschen zugehen und mit ihnen sprechen. Aber hier? Hier müssten sie wohl selbst auf uns zukommen, damit wir handeln. Schlimmer, ich bin mir nicht sicher, ob ich nicht selbst schon von der allgemeinen Panik angesteckt bin und einen „Gump“ weg von ihnen machen würde.