
Unsere nächste Station sollte Tahiti sein. Unser Traum war: Warme Sonne, herrliche Strände, schnorcheln und faulenzen … Die Realität sieht anders aus: Ob die Anreise überhaupt möglich würde, war ab Dienstag unklar. Wir haben die Fluggesellschaft Tahiti Nui weder telefonisch noch per E-Mail erreichen können, um diese Frage zu klären. Das Reisebüro daheim wusste auch nichts Genaues. Die im Internet zugänglichen Auskünfte waren widersprüchlich. Wir sind darum zum Flughafen Auckland gefahren, in der Hoffnung, dort Näheres erfragen zu können, unser Flug sollte in 2 Tagen gehen.

Am Flughafen trafen wir auf Hunderte von Rückkehrwilligen. Sie lagen, sassen, standen in der Check-in Halle und alle warteten. Niemand benahm sich hysterisch, aber Lachen und diese freudige Erwartung auf den Gesichtern, wie sie normal ist auf Flughäfen, waren nirgends zu sehen. Wir rannten von Pontius zu Pilatus, aber niemand konnte uns Auskunft geben, was verbindlich für unsere Flüge gelte.

Wir kehrten ins Hotel zurück. Per Internetrecherchen haben wir dann erfahren, dass wir definitiv nicht nach Tahiti reisen können. Air Taiti Nui transportiere nur noch „résidents“. Zum Glück konnten wir die Hotels in Tahiti kostenlos stornieren. Mehr noch, die Hotels waren direkt gierig darauf aus, dass wir stornieren würden. Für einmal ist Ablehnung echt angenehm.
Unser Reisebüro riet, trotz allem zum vorgegebenen Flugtermin nochmals zu erscheinen (versicherungstechnisch?). Wir fuhren also noch einmal zum Flughafen in Auckland, gaben das Mietauto ab und stellten uns in die Schlange bei „Qantas Support“. Nach einer Stunde Anstehen erfuhren wir: „Nein, liebe Bandixens, wir können nichts annullieren, wir vermarkten zwar diese Flüge, können aber kein neues Ticket ausstellen. Wir verkaufen überhaupt keine Tickets mehr. Kontaktieren Sie direkt Air Tahiti Nui. Gehen sie zu deren Schalter, wenn sie die Passagiere einchecken.“ Wir dankten für die klare Auskunft und hingen über die Mittagszeit in der fast leeren Ankunftshalle herum. Hier war es leicht, die empfohlene Sozial-Distanz einzuhalten – klar, wir waren ja in der ANKUNFTShalle. Als der Check-in von Air Tahiti Nui in der überfüllten Abflughalle geöffnet wurde, standen wir nochmals eine Stunde an und kamen dann endlich zum richtigen Schalter. Die Hauptaufgabe der leicht verzweifelten Angestellten schien zu sein, völlig überraschten und entsetzten Franzosen klar zu machen, dass sie seit diesem Morgen auch keine französischen Bürger mehr transportieren würden: „Seulement des résidents!“ Ganze Familien mit kleinen Kindern standen ratlos da. Das hat uns leid getan. Dass wir „declined“ würden, wussten wir schon und haben uns darum bereits auf mindestens 1 Monat längeren Aufenthalt in Neuseeland eingestellt. Diese Familien mit den kleinen Kindern aber waren müde vom langen Flug aus Europa nach Auckland und standen neu vor der fast unmöglichen Aufgabe, ein Reiseticket zurück nach Frankreich zu ergattern.

Wie weiter? Versuchen, zurück in die Schweiz zu reisen? Aber wir haben unseren ganzen Haushalt aufgelöst. Zudem würde es wohl sehr schwierig, jetzt einen Wohnort in der Schweiz zu finden. Dazu kommt, es ist praktisch unmöglich einen Flug zu kriegen. Die Angst ist omnipräsent. In den TV Nachrichten sehen wir die furchtbare Situation in Italien, Insulaner der Südseeinseln, wie sie in Sprechchören und mit Plakaten fordern: „Keep your desease away“, verzweifelte Kreuzfahrt Touristen, die ungenügend versorgt sind. Und es wird von alten Menschen berichtet, die allein gelassen an Covid-19 sterben, ohne je Zugang zu Spitalpflege erhalten zu haben. Neuseeland benimmt sich sehr anständig. Unser Touristenvisum ist automatisch bis in den September verlängert worden.

Wir haben nun den Südseetraum begraben und bleiben in einem Studio in Auckland. Von hier aus werden wir wandern, solange dies noch erlaubt ist, kochen, lesen, … was immer uns möglich ist und uns Spass macht. Dazu brauchen wir kein Auto. Unser Studio liegt ganz zentral zum Einkaufen. Noch sind die Neuseeländer nicht hysterisch. Beweis: es gibt noch immer WC-Papier zu kaufen. Smile. Sogar Schutzmasken haben wir in einem Laden gesehen. Wir nehmen es Schritt für Schritt. Im Moment geht es darum Covid-19 einzudämmen. Wir passen uns an und hoffen wohl etwas naiv, dass alles gut kommt.
