49. Der Lock down wird zum Alltag

Die Kriterien des Lock down sind klar. Alles funktioniert nur noch auf Distanz. Lebensmittel einkaufen ja, aber pro Haushalt geht nur eine Person. Angestanden vor Lebensmittelgeschäften wird in Schlangen mit 2m Abstand vom einen zum nächsten Kunden. Draussen spazieren ja, aber möglichst allein, dabei unterwegs nichts berühren und nur um den eigenen Häuserblock gehen.

Geduldig wartende Kunden. In der Tiefgarage beginnt die Warteschlange
1 raus, 1 rein. Nach rund einer Stunde hat man sich als Kunde nach vorne „angestanden“.

Heute hatten wir Glück und warteten nur 45 Minuten in der fast unendlichen Warteschlange vor dem Lebensmittelladen, bevor wir hinein konnten. Alle schmunzelten, als ein Mann, verschämt grinsend, mit 2 Riesenpaketen Toilettenpapier an den Wartenden vorbeihuschte. Man sieht keine Hamsterkäufe. Mehr als 2 Einheiten vom gleichen Produkt darf man nicht erstehen.

Internationale Toilettenpapierwitze kommen via Schweiz zu uns. In Neuseeland sitzt der Schock noch zu tief. Niemand mag selbstironische Witze reissen.
Camperwagen mit Bett, eingebauter Toilette/Dusche und Kochnische für hängen gebliebene Touristen in Auckland. Sie müssen vor Ort bleiben.

Von den verstreuten Backpackers, die wir noch vor kurzem in den Pärken angetroffen haben, ist keine Spur mehr zu sehen. Alle müssen an einem klar definierten Ort bleiben, den sie für 4 Wochen nicht mehr verlassen dürfen. Tun sie es nicht freiwillig, werden sie zwangseingewiesen.

An der Wand kauert ein Obdachloser. Er konnte sich der Weisung offensichtlich entziehen. Auf der Strasse leben müssen, ist immer hart, aber jetzt? Wir können ihm kaum helfen, ihn allenfalls auf die offenen Türen der Auckland Church Mission hinweisen?
Auckland Church Mission mit Menschen davor, die für Hilfe anstehen.

Die Regierung macht grosse Anstrengungen, damit diese scharfen Anordnungen beachtet und von der ganzen Bevölkerung mitgetragen werden. Sie zieht die Regeln unerbittlich streng durch. Ein Flugzeug, das deutsche Touristen nach Berlin bringen sollte, durfte die Rückkehrer nicht transportieren, da sie an Bord zu bringen bedeutet hätte, sie aus allen Ecken des Landes anreisen zu lassen. Niemand darf mehr reisen. Viele schütteln den Kopf und fragen sich: Warum sind so viele Touristen viel zu lang im Land geblieben? Solange bis es zu spät war? Das Verurteilen fällt leicht. Aber es ist nicht einfach, sich informiert zu halten, gerade für jene, die auf Wanderungen sind oder wenn sie an entlegenen Orten mit keinem oder nur schlechtem Internetempfang eingemietet sind. Viele Touristen und „working holiday visitors“ leben in Unterkünften ohne TV und Radio. Auch Edlef und ich sind nur per Zufall rechtzeitig in Auckland angereist und haben gerade noch vom 4 Stufenplan der Regierung erfahren, bevor jede Vorbereitung unmöglich wurde. Auch wir lebten ohne Radio und TV. Inzwischen erreichen uns Pushmeldungen zu Covid-19 regelmässig per Handy. Aber das auch nur, weil wir uns eine inländische SIM-Karte gekauft haben. Das machen längst nicht alle Touristen. Wer erst spät gemerkt hat, wie schnell die Lage in Neuseeland ernst wird, hat wenig Chancen, noch einen Flug zu finden. Und sollte es doch gelungen sein, gibt es noch die Preisfrage. Viele Tickets kosten plötzlich unverschämt viel und längst nicht alle können soviel „spontan“ berappen.

Bier-Reklame für „Happy Hour“ …with Corona
Normalerweise sind diese Highways durch Auckland zu dieser Zeit überfüllt.

Auckland ist eine leise und traurige Stadt geworden. Viele Menschen strahlen Einsamkeit aus. Vor allem scheinen uns Touristen, aber auch Chinesen, egal ob diese bereits Jahrzehnte in Neuseeland leben, beliebte Bashing Opfer der Einheimischen zu sein. Die regelmässige Mahnung am TV „be kind“ ist wichtig und wird Gott sei Dank von vielen verstanden.

Die Fährschiffe funktionieren, aber wie die Busse praktisch ohne Fahrgäste

48. Lock down, now

Es ist soweit! Seit Mitternacht ist in ganz Neuseeland Lock down. Niemand darf reisen, niemand darf sich mit Menschen aus einer anderen „bubble“ treffen, ausschliesslich Lebensmittelladen und Apotheken sind geöffnet. 202 Covid-19 Erkrankte sind bereits gemeldet, 0 Tote Die Behörden erwarten, dass Tausende angesteckt werden. Wo die Menschen in dieser Nacht geschlafen haben, müssen sie 4 Wochen lang bleiben.

Im Albertpark in Auckland: sogar die Statuen schützen sich mit Helm. Die Möwe stört es nicht.

Gestern sind wir durch 2 kleine Parks spaziert. Die Menschen halten bereits Distanz zueinander. Niemand lächelt dem anderen zu, auch nicht über 3 Meter hinweg. Alle weichen einander aus und schauen dabei auf den Boden. In den Parks haben wir mehrere Obdachlose und gestrandete Touristen mit ihrem Gepäck getroffen. Haben sie einen Plan B? Es habe 270’000 Reisende in Neuseeland, die nun obdachlos seien. Hier kommt der kühle Herbst mit Regen und Wind. Es ist ganz einfach bedrückend. Viele reagieren gestresst. Kurz vor dem endgültigen Schliessen der Kleider- und Schuhladen wollte ich mir ein Paar feste Schuhe kaufen. „Was machen Sie hier beim Shoppen?“ schnauzte mich die junge Verkäuferin an. „Ich brauche wenigstens ein einziges Paar Schuhe für den Herbst,“ verteidigte ich mich und weise auf meine Badeschlärpli. Einheimische haben selbstverständlich Herbst- und Winterkleider daheim. Wir aber sind mit nur einer mittleren Koffer pro Person unterwegs. Für unsere „sommerliche“ Reiseroute mit leichter Kleidung ist das ideal. Aber jetzt? Hier? Ich mag nicht daran denken, was passieren würde, wenn sich Edlef oder ich erkälten würden und husten müssten… Eine wachsende Intoleranz und richtige Angst werden bei den Menschen spürbar.

„Share the Joy,“ sind diese Veilchen angeschrieben.

In all der aufkommenden Unfreundlichkeit, wo Menschen einen richtigen „Schreck-Gump“ nach hinten nehmen, wenn sie merken, dass wir Touristen sind, haben wir auch Aussergewöhnliches erlebt. Ein älteres Paar aus Napier hat uns spontan und aus echter Sorge heraus eingeladen, bei ihnen in der Dépendance die Quarantänezeit zu verbringen. Leider konnten wir das Angebot nicht annehmen. Wenn wir je wieder weiter- und heimkommen wollen, müssen wir hier in Auckland bleiben. Die strenge Sperrzeit dauert im Moment 4 Wochen, es könnte aber auch um einiges länger werden. Vergessen werden wir aber die Herzensgüte von Tony und Christine nie mehr.

Edlef beim Frühstück am Campingtischchen in unserem Studio. Wir haben es uns in letzter Minute besorgt. Nun können wir an einem „rechten“ Tisch essen, statt auf dem Bügelbrett (wörtlich so gemeint) oder dem tiefen Salontischchen.

Wir haben nun für den 6. April den nächsten Routenteil zugeschickt bekommen. Es bedeutet, ausgerechnet umsteigen in Los Angeles, Kalifornien. Wer will denn über die immer schlimmer betroffene USA reisen? Aber diese Flüge funktionieren noch. Gelingt es, kommen wir wie geplant für einen Monat in ein fast Covid-19 freies Gebiet.

Die Ungewissheit ist gross. Wie entwickelt sich das Ganze weiter? Vielen und auch uns geht es im Moment gut. Aber die unglücklichen Touristen im Park machen tiefen Eindruck auf mich. Man stirbt nicht nur an Covid-19. In der Schweiz würde ich auf diese Menschen zugehen und mit ihnen sprechen. Aber hier? Hier müssten sie wohl selbst auf uns zukommen, damit wir handeln. Schlimmer, ich bin mir nicht sicher, ob ich nicht selbst schon von der allgemeinen Panik angesteckt bin und einen „Gump“ weg von ihnen machen würde.

47. „Rien ne va plus…“

Bedrückte Stimmung am Flughafen in Auckland. Es war den Wartenden nicht möglich, die nötige Sicherheitsdistanz zu halten.

Unsere nächste Station sollte Tahiti sein. Unser Traum war: Warme Sonne, herrliche Strände, schnorcheln und faulenzen … Die Realität sieht anders aus: Ob die Anreise überhaupt möglich würde, war ab Dienstag unklar. Wir haben die Fluggesellschaft Tahiti Nui weder telefonisch noch per E-Mail erreichen können, um diese Frage zu klären. Das Reisebüro daheim wusste auch nichts Genaues. Die im Internet zugänglichen Auskünfte waren widersprüchlich. Wir sind darum zum Flughafen Auckland gefahren, in der Hoffnung, dort Näheres erfragen zu können, unser Flug sollte in 2 Tagen gehen.

Am Flughafen trafen wir auf Hunderte von Rückkehrwilligen. Sie lagen, sassen, standen in der Check-in Halle und alle warteten. Niemand benahm sich hysterisch, aber Lachen und diese freudige Erwartung auf den Gesichtern, wie sie normal ist auf Flughäfen, waren nirgends zu sehen. Wir rannten von Pontius zu Pilatus, aber niemand konnte uns Auskunft geben, was verbindlich für unsere Flüge gelte.

Es braucht viel Geduld… viele sind einfach ohne Plan B gestrandet. Wer schafft es noch heim?

Wir kehrten ins Hotel zurück. Per Internetrecherchen haben wir dann erfahren, dass wir definitiv nicht nach Tahiti reisen können. Air Taiti Nui transportiere nur noch „résidents“. Zum Glück konnten wir die Hotels in Tahiti kostenlos stornieren. Mehr noch, die Hotels waren direkt gierig darauf aus, dass wir stornieren würden. Für einmal ist Ablehnung echt angenehm.

Unser Reisebüro riet, trotz allem zum vorgegebenen Flugtermin nochmals zu erscheinen (versicherungstechnisch?). Wir fuhren also noch einmal zum Flughafen in Auckland, gaben das Mietauto ab und stellten uns in die Schlange bei „Qantas Support“. Nach einer Stunde Anstehen erfuhren wir: „Nein, liebe Bandixens, wir können nichts annullieren, wir vermarkten zwar diese Flüge, können aber kein neues Ticket ausstellen. Wir verkaufen überhaupt keine Tickets mehr. Kontaktieren Sie direkt Air Tahiti Nui. Gehen sie zu deren Schalter, wenn sie die Passagiere einchecken.“ Wir dankten für die klare Auskunft und hingen über die Mittagszeit in der fast leeren Ankunftshalle herum. Hier war es leicht, die empfohlene Sozial-Distanz einzuhalten – klar, wir waren ja in der ANKUNFTShalle. Als der Check-in von Air Tahiti Nui in der überfüllten Abflughalle geöffnet wurde, standen wir nochmals eine Stunde an und kamen dann endlich zum richtigen Schalter. Die Hauptaufgabe der leicht verzweifelten Angestellten schien zu sein, völlig überraschten und entsetzten Franzosen klar zu machen, dass sie seit diesem Morgen auch keine französischen Bürger mehr transportieren würden: „Seulement des résidents!“ Ganze Familien mit kleinen Kindern standen ratlos da. Das hat uns leid getan. Dass wir „declined“ würden, wussten wir schon und haben uns darum bereits auf mindestens 1 Monat längeren Aufenthalt in Neuseeland eingestellt. Diese Familien mit den kleinen Kindern aber waren müde vom langen Flug aus Europa nach Auckland und standen neu vor der fast unmöglichen Aufgabe, ein Reiseticket zurück nach Frankreich zu ergattern.

Das wurde uns am Schalter von Air Taiti Nui in die Hand gedrückt.

Wie weiter? Versuchen, zurück in die Schweiz zu reisen? Aber wir haben unseren ganzen Haushalt aufgelöst. Zudem würde es wohl sehr schwierig, jetzt einen Wohnort in der Schweiz zu finden. Dazu kommt, es ist praktisch unmöglich einen Flug zu kriegen. Die Angst ist omnipräsent. In den TV Nachrichten sehen wir die furchtbare Situation in Italien, Insulaner der Südseeinseln, wie sie in Sprechchören und mit Plakaten fordern: „Keep your desease away“, verzweifelte Kreuzfahrt Touristen, die ungenügend versorgt sind. Und es wird von alten Menschen berichtet, die allein gelassen an Covid-19 sterben, ohne je Zugang zu Spitalpflege erhalten zu haben. Neuseeland benimmt sich sehr anständig. Unser Touristenvisum ist automatisch bis in den September verlängert worden.

Auckland

Wir haben nun den Südseetraum begraben und bleiben in einem Studio in Auckland. Von hier aus werden wir wandern, solange dies noch erlaubt ist, kochen, lesen, … was immer uns möglich ist und uns Spass macht. Dazu brauchen wir kein Auto. Unser Studio liegt ganz zentral zum Einkaufen. Noch sind die Neuseeländer nicht hysterisch. Beweis: es gibt noch immer WC-Papier zu kaufen. Smile. Sogar Schutzmasken haben wir in einem Laden gesehen. Wir nehmen es Schritt für Schritt. Im Moment geht es darum Covid-19 einzudämmen. Wir passen uns an und hoffen wohl etwas naiv, dass alles gut kommt.

46. Eine tolle Abschlusszeit und Covid-19

Redwood Forest

In der vergangenen Woche waren wir in Rotorua. Nahe beim ländlichen Städtchen gibt es spektakuläre Thermalquellen und Wälder. Wir machten im Redwood Forest eine Wanderung und staunten. Der Wald sieht aus, als würde er seit Jahrhunderten dort wachsen. Aber was heute enorme Baumriesen sind, wurde erst vor rund 70 Jahren als winzige Setzlinge aus den USA importiert und gepflanzt. Sie haben sich zu einem unglaublichen Mammutwald entwickelt.

Hell’s gate: Kochend heisse Seen, 40 Grad warme Wasserfälle und einen kleinen, schnell wachsenden Vulkan

Die „Hell’s gate“ waren ein dampfender, blubbernder Höhepunkt. Die Hell’s gate bestehen aus einer ganzen Landschaft voller Heisswasserquellen und Seelein. Es riecht überall nach Schwefel und raucht Tag und Nacht vor sich hin. Zu einem Aufenthalt in Rotorua gehört auch ein Besuch bei den Maori. Wir kauften uns ohne grossen Enthusiasmus den Eintritt für einen Maori-Kennenlernabend. Der Abend begann mit einem dramatischen Empfang und vielen Liedern. Dann wurden alle Besuchenden durch einen Stationenweg geführt, wo in traditionelle Tänze, Handwerke und in die Weltsicht der Maori eingeführt wurde. Dann strömten wir Besuchenden zum festlichen Essen in ein Langhaus. Auch da gab es feierliche Kurzansprachen, als wären wir keine Kunden, sondern hoch geschätzte Gäste. Eigentlich mögen wir so offen Touristisches nicht. Aber hier ging die Rechnung für alle auf: Wir Touristen erhielten Einblick in die Kultur der Maori und diese hatten gute Verdienst- und Profilierungsmöglichkeiten. Es machte rundum Spass.

Maori Folklore. Im „Normalleben“ ist dieser Darsteller Lehrer. Die Gesichtsbemalungen sind keine Tatoos, sondern abwaschbare Farbe. Sie wollen ihre Traditionen bewahren, aber auch Teil der heutigen Gesellschaft sein. Es gelingt ihnen hier erstaunlich gut.

Sich seine eigene Therme schaufeln

Hot waterbeach bei Ebbe. Kommt die Flut, so wird alles weggespült, aber bei der nächsten Ebbe beginnt das Buddeln und fröhliche Baden neu.

Seit 4 Tagen sind wir auf der Coromandelhalbinsel. Es hat hier tolle Wandermöglichkeiten, vor allem aber hat uns die Hotwater Beach angezogen. Wir packen bei Ebbe die Sandschaufel, rennen an den Strand und buddeln dort wie viele andere ein eigene Wanne in den Sand. Manchmal trifft man nur auf kaltes Wasser. Dann plötzlich sprudelt es viel zu heiss aus dem gegrabenen Loch. Und hat man Glück, stösst man auf das erhoffte, angenehm warme Thermalwasser, das ein gemütliches Baden im Sandloch garantiert. Vor kurzem war der Strand noch ein Geheimtipp. Inzwischen haben ihn viele Touristen für sich entdeckt und geniessen diese Laune der Natur. Viele Deutsche sind da, die erst frisch aus Europa eingereist sind. Beim Schaufeln kommt man ins Gespräch und ganz zuvorderst stehen die Gerüchte und Fragen wegen der neuen Aufenthaltsbedingungen aufgrund von Covid-19. Oft hören wir, dass sich die Neuankömmlinge nicht an die 14-Tage Selbst-Quarantäne-Regelung halten können. So einfach „Quarantäne“ tönt, was sollen Familien im einen Hotelzimmerchen mit den Kindern tun? Oder Backpackers, welche die korrekt angetretenen Ferien schon bezahlt haben, für die aber genau an den angepeilten Stationen kein Quarantäneaufenthalt möglich ist? „Und“, meinte eine junge Frau süffisant,“das sollen uns die Jugendherbergen erst mal nachweisen, dass wir eben erst gekommen sind…“

Cathedral Cove
Auf dem Weg nach Auckland hielten wir im Waipua Forest an. Es ist einer der grösste der national geschützten Bestände von Kauri Bäumen. Dort steht auch der „Vater des Waldes“, der Te Matua Nghere. Es sind uralte Bäume im Alter bis zu 3000 Jahren.

Und plötzlich geht alles bestürzend schnell

Ab heute, dem 15.März um Mitternacht, müssen alle, die ab 2. März von aussen zugereist sind, in eine 14-tägige, selbst verantwortete Quarantäne gehen. Das wurde von Jacinda Ardern, der Premierministerin von Neuseeland, per TV-Ansprache mitgeteilt. Wir haben bereits ein Anschreiben von unserer nächsten Station, einem Hostel in Auckland bekommen, in dem wir darum gebeten wurden, unsere Buchung rückgängig zu machen, denn Quarantäne sei in günstigen Motels und Jugendherbergen nicht möglich. Dort werden Küche, Essraum und Toiletten von den Gästen geteilt. Uff. Glück gehabt. Wir sind bereits seit dem 28.Februar in Neuseeland, gehören also nicht zur Zielgruppe „Quarantäne“. Wichtig ist den Behörden auch, dass wir vorher weder in China noch im Iran waren… Aber wie soll es weitergehen? Wir haben für Ende Woche ein Flugticket nach Tahiti und müssen, um dort einreisen zu können, am Dienstag einen Covid-19 Test durchlaufen. Nur mit einer medizinischen Bestätigung, dass wir Covid-19 nicht haben, dürfen wir in Tahiti einreisen. Täglich ändern die Vorgaben und unser Pass ist im Moment wegen der schlechten Covid-Werte in der Schweiz wenig hilfreich. Schritt für Schritt zu schauen, was geht, ist wohl die einzige Möglichkeit, die uns bleibt. Als nächstes steht auf unserem Programm: Covid Test in Auckland. Angemeldet dafür haben wir uns schon.

45. Hobbiton

Wer beim „Mount Doom“, dem ‚Berg des Verhängnisses‘, war, wird Hobbiton nicht auslassen. Wir reisten von Rotorua zu diesem Drehort von „Herr der Ringe“ und waren entzückt. Da standen lauter „Tiny Houses“, die zwar nicht tatsächlich bewohnt werden können, die aber weit mehr als die Kulisse für das Epos bedeuten. Sie sind eine Inspiration für umweltverträgliches Wohnen mit ihren bewachsenen Dächern und den kleinen Gärten. Aber für viele Menschen hier ist die technische Vision nicht wichtig. Dieses Filmdörfchen steht als Erinnerung an einen Höhepunkt in ihrem Leben. Viele der Reiseführer hatten Statistenrollen im Hobbit Dörfchen für den Film ‚Herr der Ringe‘: „Wir alle waren bei den Dreharbeiten so fröhlich und solidarisch – ich jedenfalls bin zu 100% wie eine Hobbitfrau!“ schwärmte eine Reisebegleiterin,“ich bin immer gut aufgelegt und anderen zu helfen, gehört zu mir.“ Sie ist sichtlich bewegt von ihren Erinnerungen.

Im 10-15 Minutentakt fahren grosse Busse vom Sammelplatz in Matamata ab und führen jeweils 50 Gäste ins Kulissendorf „Hobbiton“.

Mehrere Busse sind ständig im Einsatz

Auch wir stiegen ein und hörten aus der Drehzeit verschiedene Anekdoten, vor allem aber liefen wir im Dörfchen herum und konnten die detailgetreuen Bauten bestaunen. Ron, der Reisebegleiter, zeigte auf einen wunderschön verdrehten Baum. „Alles künstlich“, strahlte er. Damit der Baum in einen früheren Teil der Geschichte passte, mussten sie ihn künstlich verjüngen. Sie hackten den Originalbaum ab und rekonstruierten ihn jünger. So steht nun ein perfekter Plastik-Metallbaum neben dem Haus des Bürgermeisters von Hobbiton. Ron fuhr weiter mit seinen Anekdoten: Das Schlüsselgespräch von Gandalf und Bilbo findet am Abend vor dem Aufbruch der Helden statt. Alles sollte im Sonnenuntergang gefilmt werden. Dazu stand Bilbos Haus aber falsch. „Das merkt niemand“, hätten die Filmleute gelacht.“Wenn wir am Morgen filmen und den Sonnenaufgang rückwärts reinflicken, dann sieht es nach einem Sonnenuntergang aus.“ Der Sonnenaufgang sah rückwärts abgespielt tatsächlich wie ein perfekter Sonnenuntergang aus. Nur flogen die Vögel in der Szene plötzlich rückwärts. Ron schüttelte sich beim Erzählen vor Lachen. Auch noch viele Jahre nach dem Filmdreh war ihm dieser „Unfall“ in bester Erinnerung.

Bilbos Haus, dahinter der Kunstbaum.
Eines der vielen Hobbithäuser, alles ist reine Kulisse.

Ron fragte auch uns, woher wir kämen. „Switzerland“, war unsere Antwort. „Hm“, meinte Ron, „ihr habt viele Berge und Seen, das ist fast wie in Neuseeland.“ Dann stutzte er und fragte:“Kann man tatsächlich in den Häusern in euren Bergdörfern wohnen?“ Jetzt waren wir daran, uns auszuschütten vor Lachen. Nicht alles ist bloss Kulisse wie Hobbiton oder Walt Disneyworld.

Das Wirtshaus „grüner Drachen“

44. Mount Doom

Edlef unterwegs zum Mount Doom

Unsere ganze Familie hat vor Jahren das längste Märchen der Welt, der Herr der Ringe, mit Begeisterung verschlungen. Als dann der Film kam, klebten wir am Bildschirm und sahen uns den langen Film mehrmals an. Die phantastischen Landschaftsaufnahmen sind in Neuseeland entstanden. Viele von ihnen sind fast unwirklich schön. Wir haben für unseren Aufenthalt die Nordinsel gewählt mit den Schwerpunkten Menschen/neuseeländische Kultur, Thermen und – Herr der Ringe. Heute machten wir eine mehrstündige Wanderung vom National Park Village aus. Das Örtchen befindet sich im 4. ältesten Park der Welt, dem Tongariri National Park. Hier wurden die letzten Filmszenen zum „Herr der Ringe“ gedreht, die Szenen, in denen Frodo den Mount Doom hinaufklettert, um den Ring zu zerstören. Der Vulkan Mount Ngauruhoe wurde seit dem Film in der Bevölkerung zum „Mount Doom“ umbenannt. Tatsächlich versteht man die Auswahl dieser ursprünglichen Vulkanlandschaft für den Film gut. Sie wirkt bedrückend und eintönig beim Wandern.

Flechten bewachsene Urbäume
Blick ins Tal vom Wanderweg zu den beiden Vulkanseelein
Mount Doom

43. Napier – alles ist Art Deco

Napier hat als Botschaft an die Welt das Motto gewählt: „Lasst uns eine neue Epoche beginnen“

Napier gilt als weltweit best erhaltene Stadt der Art Déco. Der traurige Hintergrund dieser ehrenvollen Bezeichnung ist das furchtbare Erdbeben von 1931. 256 Menschen kamen um und tausende von Verletzten mussten gepflegt werden. Das Städtchen lag in Schutt und Asche. In kurzer Zeit wurde alles wieder aufgebaut, konsequent im Stil der Art Déco. Wir haben uns in unseren 3 Wochen Neuseeland auf die Nordinsel beschränkt. Wellington hat uns begeistert mit seiner relaxten Atmosphäre, der grossartigen Strandpromenade und dem eindrücklichen Museum „Te Papa“. Das stille Städtchen Napier aber hat uns mit seinem Charme für sich eingenommen.

Die Häuser in Napier haben in der Regel Pastellfarben. Beim Bemalen der Bauten versuchte man Geld zu sparen. Darum habe man die Farben verdünnt und alle Häuser seien pastellfarben geworden.
An der Strandpromenade hat es tolle Restaurants, charmante Bauten…
…und viel Kinderfreundliches, wie z.B. dieses Viereck voller gratis Kinderspielzeug für die Kleinen.

Wir hatten es allerdings ziemlich übel erwischt mit dem angemieteten Zimmer in der Jugenherberge. Es war schmuddelig und voller Flöhe. Wir sind schnellstens weiter geflohen.

Die älteste Weinprodultion in Neuseeland wurde von den französischen Marianisten gegründet. Sie brauchten Wein fürs Abendmahl. Sie sind nicht nur für Wein bekannt, sondern auch für ihren Einsatz für die Religionsfreiheit in Neuseeland).
Das heutige Hotel und Restaurant der Marianisten war eine Ausbildungsstätte für Priester. Heute werden auf dem prächtigen Sitz gerne Feste und Hochzeiten gefeiert.
Der Wein wird unter dem Namen „Mission“ vermarktet