42. Reise nach Neuseeland

Abschied von Maggie, Arturo und Amelia in Sydney

Wir stehen am Flughafen in Sydney und freuen uns auf unsere nächste Station, Neuseeland. „Sie können nicht reisen. Sie haben kein E-Visum,“ sagte die Bodenstewardess freundlich beim Check-in. Waaas? Wir können nicht reisen? Natürlich haben wir kein Visum beantragt, denn die Schweiz hat mit Neuseeland ein zwischenstaatliches Abkommen! Visa seien nicht nötig, das wurde uns vor der Abreise in der Schweiz ausdrücklich mitgeteilt! Und jetzt das…? „Egal“, sagte Edlef, „reg‘ dich nicht auf. Sie wollen das E-Visum, also machen wir das.“ Wir ergoogelten die neuseeländische Website, loggten uns blitzartig ein und bezahlten das E-Visum per Internet. Die definitive Antwort dauere zwischen 10 Minuten und 72! Stunden, wurde uns umgehend per E-Mail mitgeteilt. Und dann sassen wir am Flughafen in Sydney in unserer Ecke und warteten… und warteten… Noch 2 Stunden bis zum Abflug… keine Bewilligung da. Wir warteten weiter, 1 1/2 Stunden vor dem Abflug, …keine Bewilligung da.

Grüne Ampel in Wellington
Rote Ampel in Wellington. Das Bild sei einem Kriegstanz der Maori nachempfunden.
Ein Maori in einer Vorführung in Rotorua zeigt genau diese Haltung
Grüne Ampel in Wellington, das Bild ist der aktuellen Mode nachempfunden?

Ich wurde wirklich ungeduldig und ging noch einmal zum Eincheckdesk und fragte, was wir tun sollten, falls wir die Reise verlören? „Geben Sie mir mal den Pass“, zwitscherte die Angestellte. Sie tippte die Angaben ins System ein und sagte: „Alles ist o.k. Bringen Sie mir doch ihre Koffer zum Einchecken.“ Fast ein wenig schockiert stürzten wir mit den Koffern zum „Desk“. Alles klappte und und wir flogen wie geplant pünktlich um 18.40 Uhr in Sydney ab und kamen glücklich in Wellington an. Auch bei der Einreise gab es keine Probleme. Und die Bestätigung der Einreise-Bewilligung per E-Mail, auf die wir uns verlassen müssten? Sie steht noch immer aus und wird wohl erst am Montag da sein. Wir aber sitzen bereits in Wellington und freuen uns über die gelungene Weiterreise.

Wandmalerei in Wellington

Nachtrag: Die Bewilligung ist uns tatsächlich am Montagmorgen um 8.02 Uhr zugeschickt worden…

41. Sydney

Sydney ist ein Eldorado für Touristen. Tolles Klima, gute, öffentliche Verkehrsmittel, eine riesige Vielfalt an kulturellen Angeboten, Shoppingmalls grenzenlos und ein wunderschöner Stadtkern, in dem man sich zu Fuss bewegen kann.

Grundinformationen zur Geschichte der ersten europäischen Siedler in Australien und ihrer Beziehung zu den Aborigenes erhielten wir im Sydney Museum. In ihrer 2. Ausstellung erfuhren wir Grundsätzliches zur Entwicklung der Stadtarchitektur.

Modelle der 11 ersten Schiffe, die von England her nach Australien gesegelt sind. Mehr als die Hälfte der 1500 Passagiere waren Sträflinge aus überfüllten Gefängnissen in England.

Wir machten anschliessend eine Stadtführung im Stadteil „Rocks“ mit. Dort zeigte uns die Begleiterin die wenigen Restgebäude aus der ersten Siedler-Zeit Sydneys und erzählte von Persönlichkeiten des frühen 19. Jahrhunderts. Z.B. von Mary Reibey, sie wurde als Sträfling nach Australien deportiert und entwickelte sich zu einer ausserordentlich geachteten und klugen Geschäftsfrau. Sie besass und leitete als erste Frau eine Bank.

Australien ist für Touristen teuer. Für alles werden Spezialtouren angeboten. Manchmal haben wir das Gefühl, sogar atmen werde speziell organisiert und berechnet.
Schon allein für den Hop on, Hop off Bus, hätten wir 80.- CHF hinblättern müssen. Das wenig „schreierische“, aber spannende Museum und die Stadtführung zusammen blieben deutlich unter diesem Preis. Wer hierher reist, macht sich am besten schlau darüber, wofür er sich interessiert und was ihm wieviel wert ist.

Die Opera ist eindrücklich, die Aufführungen grossartig. Wir waren im „Don Giovanni“ von Mozart
Touristenfallen wie diesen Bus gibt es haufenweise
Australien ist berühmt für seine Opale
Das Cadmans Cottage ist das älteste noch erhaltene Haus in Sydney, Baujahr 1799.
Alte Hafenhäuser

Die alten Häuser in „the Rocks“ in Sydney sind sorgfältig renoviert. Alles, was als „Heritage“ deklariert worden ist, wird geschützt und Bewohner haben strenge Auflagen zu erfüllen. Wie jung die „Heritage“ Gebäude sind, erstaunt nicht, wenn man bedenkt, dass die Besiedlung erst Ende des 18. Jahrhunderts angefangen hat. Erst seit 1978 werden alte Gebäude systematisch aufgelistet und geschützt. Das war einem chinesischen Kollegen unserer Freunde in Sydney nicht klar. Er kaufte ein Haus in ihrer Nachbarschaft, das unter Schutz stand, änderte beliebig ab, was ihm passte. Die Busse war so gewaltig, dass er das Haus wieder verkaufen musste.

Strässlein in „the Rocks“
Überall wird gebaut

Die Stadt boomt. Es wird enorm viel investiert und gebaut. Die Aborigines sind als Strassenmusiker und Bettler bemerkbar.

Wir wohnen bei Arturo und Maggie Escartin. In Chile haben wir ein Jahr lang zusammen gearbeitet im Frauenprogramm und in der Entwicklung von Materialien gegen Gewalt. Sie haben uns mit grosser Herzlichkeit aufgenommen. Australien ist ihre Wahlheimat.

Arturo hat Geburtstag. Wir stossen mit einem „Pisco sour“ an
Maggie Escartin mit Edlef
Bei öffentlichen Informationen und bei Reklame haben die Aussies einen liebenswerten Humor.

40. Essen in Australien

Man isst gut in Australien. So gut, dass von 26 Millionen Einwohnern mehr als die Hälfte übergewichtig bis adipös ist.

An der Landestelle der Fähre in Sydney fischen Einheimische gemütlich

Ihr typisches Essen seien „Fish and Chips“ mit Bier, lachen die Ostküstler. Es gibt aber viel mehr: Zu erlesenem Wein werden Meerfische und Meeresfrüchte serviert mit verschiedenen Gemüsen, wenig Salat. Vieles kommt frittiert auf den Tisch.

Fish & Chips Ostküstenstyle

Selbstverständlich gibt es Schafs- und Rindfleisch in bester Qualität und günstig. Es hat verschiedene Wurstarten, viele erinnern an deutsche Bratwurstsorten. Auf allen Campingplätzen, auf denen wir übernachtet haben, gibt es Küchen und beste BBQ/Grill Einrichtungen, die rege benutzt werden. An den Stränden trifft man immer wieder auf Gruppen, die fröhlich grillieren, picknicken und feiern. Auch vegetarische Alternativen werden angeboten.

Eine fröhliche Gruppe grilliert am Strand an der Narabeen Beach
Ein Laden voll fangfrischem Fisch

Kängurufleisch oder Krokodil oder Schlange haben wir nirgends im Einkaufsangebot gefunden, nicht einmal Straussensteaks. Aber in den grossen Ladenketten wie Coles oder Woolworths ist so etwas wohl kaum zu erwarten. Dafür finden sich an vielen Tankstellen als Zwischenmahlzeit warme „Meat Pies“, das sind Hackfleischtörtchen oder auch Würstchen im Teig.

500 Gramm Rindsteak mit Coleslaw und Mayonnaise im Restaurant
Asiatisches Essen wird immer beliebter

Neben den deftigen Hauptgängen werden feine Kaffees angeboten, Cappuccino, Latte Macchiato, guter alter Brühkaffee, Nestlépulver-Café…, meistens in Pappbechern und mit Plastiklöffeli… dazu bestes Speiseeis und viele Kuchen. Pies werden gerne mit Doppelrahm serviert. Ich denke: „Soviel Fett? Und das praktisch ohne Bewegung?“ Bewegung scheint nicht einfach im Alltag einbaubar zu sein. Sport ist an den Schulen in Australien gestrichen worden und Erwachsene müssen für alle organisierte Bewegung bezahlen. Am frühen Morgen sieht man immer wieder Jogger, aber nur in kleinem Mass. Nur wenige fahren Velo. Für die meist weiten Distanzen in die Schule, zur Arbeit oder sogar zum Nachbarn braucht es ein Auto.

„Fressbeiz“ in Rockhampton
„The Leap“, ein tolles 150-jähriges Kaffee an der Pacific Coast Road

39. Naturparks und australische Tierwelt

Lories

Mich begeistern die knuddeligen Koalas, die Kängurus, die fabenfrohen Kakadus… Australien ist voll Leben und scheint uns ursprünglicher und wilder zu sein als Europa. Beim Reisen hat man das Gefühl, um jede Ecke habe es einen weiteren eindrücklichen Natur-Park und jede nicht privat genutzte Fläche beherberge Einmaliges. Wir sind 17 Tage und Nächte mit dem Camper unterwegs und fahren dem berühmten Pacific Highway entlang von Port Douglas nach Sydney. Das ist nicht wirklich viel Zeit für die 2600 km lange Reise gerade auch darum, weil wir „Umwege“ machen etwa zu den Millaa Millaa Fällen, dem Burdekin Staudamm, den berühmten Surfplätze von Byron Bay, den Bananenplantagen um Coff‘ s Harbour (Big Banana) und vieles mehr. Wir wechseln fast jeden Tag den Standort, schauen uns das Gewünschte an, schlafen „schnell“ und schon geht es weiter. Mit dem Camper fühlt man sich der Natur weit näher als im Hotelzimmer. Noch nie haben wir einen so lustig-lärmigen Schlafort erlebt wie auf dem Land fernab von jeder Strasse in Millaa Millaa. Dort sind Zikaden daheim, die wie Lastwagen tönen, die rückwärts fahren. Das kommt zu den Geräuschen der „normalen“ Insekten hinzu, die ohrenbetäubend zirpen, klappern, und schreien. Es gibt Vögel, die alleine „zweistimmig“ pfeifen können. Es ist überwältigend. Und überall hüpfen in der Dämmerung Kröten, Unken und Frösche herum.

Glasshouse mountains
Burdekin Staudamm
Bei einem der Wasserfälle bei Millaa Millaa

Wir haben uns über diese Kakophonie gefreut. Angst haben wir kaum je. Wirklich gefürchtet haben wir uns nur, als ganz nah vor uns eine Giftotter über den sauber angelegten Wanderweg schnellte. Auf dem Zeltplatz in Crescent Head verschlang direkt über uns auf einer Palme eine Python ein Opossum. Dabei wurde uns erzählt, dass bereits 4 Meter lange Pythons Kinder herunterwürgen könnten. Es habe Fälle gegeben… Um bei ihrem Nachwuchs (und bei Touristen) Angst und Schrecken zu verbreiten, brauchen australische Eltern also keine Schmutzli- und Samichlausgeschichten.

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass der Camper praktisch ist. Er führt wirklich in die Natur. Aber ein deutlich kleineres Modell hätte genügt. Es braucht einen Tauchsieder für den Morgenkaffee, abends Liegefläche für 2. Mehr nicht. Die meisten Campingplätze verfügen über Küche, Dusche/WC. Wir hatten im Camper selbst eine Küchenzeile, Liegefläche, Tischli, WC. Wir meinen: Viel zuviel.
Hier frisst die Pythonschlange im Zeltplatz ein Opossum. Sie frisst sich nach oben, ihr Maul ist der weisse Querstreifen.
Es hat viele Echsenarten. Edlef freundet sich hier gerade mit einem selbstbewussten Exemplar an.
Edlefs Freund von nahe
Känguru mit Jungtier im Beutel

„Wo sind denn die Kängurus?“ fragten wir uns. Wir haben so viele überfahrene Tiere auf der A1 gesehen, dass wir sicher wussten, dass es Wallabies und Kängurus in Mengen gibt. Aber wir hätten sie gerne lebendig in ihrem natürlichen Umfeld gesehen, statt als traurige Fleischklumpen auf der Strasse. Zuletzt resignierten wir und besuchten einen Zoo, um diesen Tieren näher zu kommen.

Die Kängurus im Zoo sind handzahm und nehmen gerne Futter aus der Hand an.

Damit die Pacific Road nicht ganze Lebensräume trennt, sind über der 4-spurigen Schnellstrasse schmale Hängebrücken für Tiere gespannt. Vor allem hat man an Koalas gedacht, aber auch an andere kleine Säugetiere.

Solche Hängebrücken führen über den viel befahrenen Pacific Highway. Man bestätigte uns, sie würden von den Tieren gut genutzt
Die furchtbaren Brände haben Spuren hinterlassen. Aber niemand redet mehr davon. Mit Macht grünt es wieder nach dem Regen

38. Das Great Barrier Reef

Das Great Barrier Reef ist 2300 km lang, umfasst Tausende von Lebewesen, viele von ihnen sind nur dort zu finden. Wir hatten bloss einen Tag zur Verfügung, um dieses Naturwunder kennen zu lernen. Unter den vielen Vorschriften, die Stephen, unser „Bad“-Zimmer Vermieter, aufgeschrieben hatte, stand auch, mit welchem Unternehmen wir das Great Barrier Reef zu buchen hätten. Das fanden wir zwar interessant, nahmen es aber keine Sekunde ernst. Zu einem Vermieter, der sein Badezimmer mit einem Bett anreichert und es dann als Zimmer anpreist, vertrauen wir nicht.

Alle Strände scheinen perfekt. Die verborgenen Strömungen, die vielen auch giftigen Quallen machen das freie Schwimmen im Nord-Osten von Australien unmöglich

Edlef und ich machten uns früh auf nach Port Douglas, um den Barrier Reef-Ausflug zu buchen. Als wir in Port Douglas ankamen, war noch kaum eine der vielen Anbieteragenturen geöffnet. Ein kleines Geschäft schon. Der Besitzer, ein älterer Herr, empfing uns jovial. Er sei mit einer Schweizerin verheiratet und fahre gerne Ski vom Ferienhaus aus von seiner Schwiegerfamilie in Arosa… Wir ahnten „Teures“ und tatsächlich, entsprach sein „Rundum-sorglos-im- Barrier-Reef-Paket“ einer anderen Finanzliga, als wir uns bewegen.

Badepool im Meer mit Quallenschutznetz

Wir haben uns über das Gespräch mit dem Fast-Schweizer gefreut, haben aber verschiedene Angebote miteinander verglichen und uns dann bei einer bezahlbaren Agentur mit Umweltverträglichkeitssiegel eingeschrieben. Die Schönheit der Meereswelt ist auch im Barrier Reef atemberaubend. Wir wurden auf einem grossen Schiff zu einem speziellen Ponton am äusseren Barrier Reef gefahren zusammen mit 150 anderen Touristen. Wir finden, solche offizielle „Schaufenster“ sind o.k., auch wenn sie wenig exklusiv scheinen. Es gelten strenge Regeln, die konsequent eingehalten werden. Abfälle werden nachhaltig entsorgt, die Boote werden nicht „wild“ geankert und zerstören dadurch ganz nebenbei kostbare Unterwasserwelten wie in den Philippinen. Es ist zwar wenig „bedeutungsvoll“, ein anonymes Nümmerchen unter vielen zu sein aber es ist für uns genug gut. Beim Schnorcheln am äusseren Reef trugen wir „Stingersuits“ und waren froh darum, als wir zwischen ganzen Quallenschwärmen hindurch schwammen. Wir sahen einen eleganten Riffhai, verschiedene Arten Wasserschildkröten. 700 Jahre alte, lebendige Korallenriffe wurden uns gezeigt und erklärt und eine fast unendliche Vielzahl kleiner Fische wimmelte um uns Menschen herum.

Magnetic Island

Auch wenn unser Ausflug nicht „exklusiv“ war, das gewaltige Leben im Meer ist so beeindruckend und wunderschön, dass man nur noch das eine will: zum Great Barriere Reef unbedingt Sorge tragen.

37. Australien, der uralte Jungkontinent

Atherton Tablelands
Die tropische Vegetation ist omnipräsent wunderschön

„Passt beim Zoll in Sydney ja auf! Er ist streng und die Bussen sind astronomisch, wenn ihr mit irgend etwas Verbotenem erwischt werdet.“ „Was ist verboten?“ fragten wir. Die Liste ist lang: Es dürfen keine Pflanzen, kein Essen, keine Samen, kein Schmutz an den Schuhen mitgebracht werden, keine Schnorchel, die im Süsswasser im Einsatz waren… etc.etc. Wir stellten uns verrückte Fragen. Etwa: Gilt Baumwollkleidung auch als „pflanzlicher Import“? Ist also verboten? Ist der Schlafsack aus echter Seide, er ist von tierischem Ursprung… verbotene Importware?

Der Zollübertritt in Sydney ging schnell und problemlos vorbei. Wir hatten genug Zeit, um die Gepäckstücke neu einzuchecken und nach Cairns umzusteigen. Alles klappte erfreulich einfach. In Cairns wollten wir per Bus weiter nach Port Douglas fahren. Wir waren nach 24 Stunden non-stopp Reise recht müde. Wir wurden aber schnell wieder wach, als wir die Preise für die kurze Strecke nach Port Douglas hörten: „Tja“, sagte der Schalterbeamte, „sie wollen mit dem öffentlichen Bus nach Port Douglas weiter reisen? Das kostet pro Person 150 AU$. Könnte etwas günstiger kommen, falls es noch andere Fahrgäste hat.“ „Wie teuer wäre ein Taxi?“ wollten wir wissen. „Etwa 400 AU$“, war die Antwort. Endlich fielen uns die vielen Verleihautoschalter gleich nebenan auf und die langen Warteschlangen davor. Wir erfuhren: Für das Taxigeld nach Port Douglas können wir ein Verleihauto für 5 Tage mieten. Das haben wir dann getan und waren damit bestens ausgerüstet, um zu den wunderschönen Regenwaldparks im Norden zu gelangen und ins Stadtzentrum, an den Hafen. Vieles beruht hier auf Privatverkehr. Öffentliche Buslinien scheinen keinen Sinn zu machen.

Unser schaurig blaues Mietauto.

Auf unser Zimmer in Port Douglas haben wir uns nach den z.T schäbigen, immer aber einfachen und kleinen Zimmern in den Philippinen gefreut. Es war ein riesiger Upgrade in ein 5 Sterne! Resorthotel hinein. Als wir ankamen, merkten wir, dass es nicht um ein Hotelzimmer ging, sondern um die private Luxustoilette einer Resortwohnung, die als „Zimmer“ vermietet wurde, Hinter der Trennwand des WCs stand ein Doppelbett. Wir fanden schriftlich ellenlange Vorschriften und viele Verbote aufliegen. Zudem waren wir ausgeschlossen vom Zimmerdienst, die versprochene, tolle Sektflasch zum Empfang stellte sich als Essig sauren Rotwein ohne Etikette heraus. Es war einfach lächerlich. Und das haben wir dann auch getan. Wir haben gelacht, bis wir nicht mehr konnten. Etwas wirklich Gutes hatte das Bad-Zimmer doch. Wir durften wie die „richtigen Gäste“ auch in der Resortlagune schwimmen.

Hinter der Badewanne stand dann das Doppelbett.

36. Kleiner Rückblick

Visayas

Wenn man in der oben eingefügten Skizze bei der blauen Reiselinie Dauin einfügt, Iloilo dazu malt und Manila, entspricht diese Route unserer Reise in den Visayas. Die Reise lässt uns nachdenklich zurück. Die Inseln sind wunderschön, die Leute liebenswürdig und offen. Gleichzeitig aber sind Missbrauch und extreme Armut zu omnipräsent, als dass hier Ferien wirklich zum Genuss werden könnten. Wegschauen macht hoffnungslos, weil extreme Armut eine menschengemachte Katastrophe ist, welche erbarmungslos die Schwächsten immer am härtesten trifft. Ob bewusst oder unbewusst, diese Situation ist immer und überall Teil des Erlebten. Wir stegen nie in „besseren“ Hotels ab, vermieden aber auch Slums. Es gibt sovieles, das uns begeistert hat! Trotzdem fühlt es sich nicht gut an, als Tourist in Entwicklungsländern unterwegs zu sein. Wer Not sieht, soll aktiv dagegen handeln und die Menschen nicht einfach „betrachten“ als wäre man ein Besuchender in einem riesigen „Zolli“.

Auch eigentlich respektable Mietwohnungen strömen Armut aus.
In der Strasse leben
Waren- und Perlenmarkt in Manila

Das gesamte Gold- und Perlengeschäft ist in Händen von Muslimen. Angesprochen werden mögliche SchmuckkuferInnen von unverschleierten, kopftuchlosen Frauen. Aber diese sind nur die „Kundenjägerinnen“. Sie benennen den offiziellen Preis, aber im Moment des Geschäftsabschlusses wenden sie sich ans verborgene Innere der Bude. Dann späht eine tief verschleierte Frau hervor. Sie hat offensichtlich aus ihrem Versteck heraus mitgehört und gibt mit leisem Nicken ihr Einverständnis zum Deal oder flüstert der Angestellten ihre Bemerkungen zu. Mir macht eine derart getrennte Gesellschaft Sorgen. „Gute“ Frauen zeigen sich in der Öffentlichkeit nicht, die „schlechten“ müssen ihre Sprachrohre sein. Wenn ein Mann da ist, bestimmt er alles. Die muslimische Gesellschaft tritt Männer betont auf, diese sind sichtbar, selbstbewusst, bestimmt. Ihnen unterstellt sind die Frauen mit ihrem Shopping- und Teetrink-Ideal, ihrer Verantwortungsstellung beim Verkauf. Durch alles hindurch ist die für westliches Denken nicht verständliche Gehorsamsidee spürbar.