30. Meet Bruce (riesiger Hai im Film Nemo)

Schon lange waren wir fasziniert von den unglaubliche Bildern der Walhaie in Oslob und in Donsol. Nah neben diesen riesengrossen, friedlichen Fischen schwimmen zu dürfen, das wollten wir gerne. Ich musste passen, frühmorgens friere ich schnell und dann beginnen wieder Husten und Fieber. Aber für Edlef wurde dieser Traum wahr.

Ich, Edlef, bin also um 6 Uhr in Oslob von einem persönlichen Guide an der Zimmertür abgeholt worden mit der Nachricht, dass er für mich in der Gruppe 25 einen Platz reserviert habe, dass nun schon Gruppe 16 dran sei und ich sogleich mitkommen solle. Auf dem Platz, von dem aus die Regierung das Walhai-Observieren organisiert, waren schon ein paar hundert Erlebnishungrige anwesend. Ein mässiger Andrang, wie mein Guide versicherte, da man ja noch gemütlich herumspazieren könne, wo es sich manchmal eher sardinenbüchsenmässig anfühle. Nach einer kurzen Instruktion über Verhaltensregeln, deren wichtigste ist, dass man die Tiere unter Strafandrohung von 6 Monaten Gefängnis unter keinen Umständen berühren dürfe, warteten wir noch ein paar Minuten und dann ging es los.

Die Touristen werden geweckt und abgeholt

Hinter drei deutschen Jungs setzte ich mich in eines der 10er Boote und wir wurden von kräftigen Einheimischen etwa 100m ins offene Meer hinaus gerudert. Dort hängten wir uns per Seil ans letzte von 10 Booten, die in zwei Reihen parallel zum Strand aneinandergeseilt waren und sich langsam vorwärts bewegten. Die vordersten Boote lösten sich aus der Reihe und kehrten nach dem ca 40 minütigen Abenteuer zurück ans Land.

Die, die für schwimmen bezahlt hatten (nur vom Boot aus zuschauen Fr 10, schwimmen Fr 20 und mit Luftflasche tauchen Fr 30) liessen sich ins Wasser gleiten, Westler wie ich ohne Schwimmwesten, Asiaten, sie waren eindeutig in der Mehrzahl, wie Chinesen, Koreaner, Japaner und Taiwanesen meist mit Weste, da bei ihnen schwimmen nicht zu den Grundfertigkeiten der Erziehung gehört.

Dann das Erlebnis: ein riesiges, 5m grosses Tier mit breitem offenem Mund, beruhigenderweise ohne sichtbare Zähne, nur einen Meter vor mir, schwimmt gemächlich direkt auf mich zu. Wow! Ich rück- und seitwärts davon geschwommen und mich erstmal orientiert. Zwischen den zwei Besucherbootreihen fahren noch winzige Einerboote mit je einem Mann drin herum. Hie und da wirft er etwas ins Meer vor die Münder der Walhaie, was die sofort zusammen mit viel Wasser in sich saugen. 5 Reihen von Kiemen, je einen Meter lang, lassen dann das gefilterte Wasser wieder ausströmen.

Etwa 20 Haie waren an diesem Morgen dort bei der Fütterung. Der hinterste war der eindrücklichste. Er war rieeesig, geschätzt 8 bis 12 Meter lang, dunkelbraun mit hellgrauen Punkten, 1,5m breitem Schlund und majestätischen kraftvollen Bewegungen. Er kümmerte sich überhaupt nicht um die Menschen um ihn herum, sondern versuchte einfach in der Nähe eines der kleinen Boote zu sein und hie und da etwas zu erwischen. So nahe einem busgrossen, in der Wildnis lebenden und doch ungefährlichen Lebewesen sein zu können, hat mich mit grossem Glück, Dankbarkeit und Respekt erfüllt. Ich reihe mich ein in die Schutzkräfte für diese seltenen Riesen. Als er eine Drehung machte, ist er mit seiner grossen Schwanzflosse sanft über meine Beine gestreift…

Ein Walhai. Trotz der riesigen Mundöffnung wird er Menschen nicht gefährlich