Weihnachten enthält traditionellerweise 3 Elemente: 1. biblische Botschaft, 2. Familie und 3. festliches Essen mit fröhlichem Zusammensein. Edlef hat sich hier in Cebu um das „festliche Essen“ gekümmert. Dazu hat er ein Restaurant gleich um die Ecke ausgewählt. Wir spazierten mitten am Nachmittag hin, weil abends die Küche geschlossen ist. Die Regenfront „Ursula“ hat um 15 Uhr so richtig heruntergeschüttet und ich war dankbar für den kurzen Weg. Im Restaurant wollten wir gerne einen Apéro. Nein, haben sie nicht, aber Smoothies. Hm. Zum Dessert wäre das zwar schön, aber als Apéro? Also bestellte sich jedes ein Glas Weisswein mit Mineralwasser mit Kohlensäure, das gibt einen „Gspritzten“ und der wäre toll. Da sie auch in der philippinischen Kultur fast nicht „nein“ sagen dürfen, brachte die Bedienung ohne Ankündigung fades Wasser ohne Kohlensäure, dafür mit Eis. Wir resignierten schnell, dann eben so. Wir wählten aus der Karte etwas Fleisch mit Pommes aus. Salat hatte es nicht. Gemüse hatte es nicht. Suppe hatte es nicht. …. Langsam begann ich zu jammern. Dann erinnerte ich mich daran, es soll ja in den Philippinen anders sein! Sonst hätten wir in der Schweiz bleiben können. Diese Binsenweisheit trifft auch hier zu. Klagen und europäische Wünsche gehören nicht hierher. Zuerst wurde mein (Plastik-)Teller mit einem winzigen Stücklein Fleisch und wenig Pommes serviert. Ich machte (wieder) ein langes Gesicht. Was um Himmels Willen machte denn dieses Restaurant gut? Edlef versprach mir zum Trost, ich dürfe ihm das magere Angebot während der ganzen Festtage vorhalten…und dann kam sein Essen! Ein Riesenteller mit einem Pommes-Berg und einem unglaublichen Maxiburger. Es hatte sogar Ketchup dabei! Damit war unser Weihnachtsessen mehr als gerettet. Als guter Ehemann gab er mir von seiner Platte ab. Satt wurden wir beide und das ist wohl mehr, als es hier viele von sich behaupten können.



Wir gingen um 18.00 Uhr in die presbyterianische Kirche von Cebu. Wie in vielen Kirchen fand abends die Sonntagsschulweihnachten mit einem Karaoke Chor statt. Uns hat es sehr gefallen. Die Feier war zwar ein bisschen brav und wurde von einer älteren Pfarrerin geleitet, die ganz langsam und offensichtlich nicht sehr vorbereitet durchs Programm führte. Aber es hatte genügend Junge, die energisch und klar Akzente setzten, damit der Gottesdienst lebendig blieb. Genau darum wollten wir in den Philippinen und nicht in Vietnam feiern, um mit einer christlichen Gemeinschaft zusammen sein zu können. Aber auch hier: von den weit über 100 Teilnehmenden gehörten wir zu den 10 Ältesten. Gesammelt wurde für die Opfer des heftigen Wirbelsturmes in Mindanao. Eigentlich hätte ich erwartet, dass sie für die Strassenkinder oder für die Integration der BettlerInnen und Prostituierten in Cebu sammeln würden. Aber wer schaut schon gerne auf die hauseigenen Probleme? Auch im Aargau schauen die Pfarrer weg, wenn es in ihren Kirchgemeinden Prostitutionszentren gibt. So zumindest lehrt es mich meine traurige Erfahrung.


Als wir um 20.00 Uhr wieder zurück im Hotelzimmerchen waren, packten wir unseren Dessertbecher aus, tranken Kaffee und bissen in unsere Geschenkli (1 Snickers von mir für Edlef und 1 Marsriegel von Edlef für mich). Pommes mit Ketch up zu essen statt Reis und gleich noch Schokoriegel hinterher zu stopfen, ist in Cebu schon fast ein wenig dekadent. Aber he, es ist Weihnachten und wir haben Heimweh!

Es gab dann noch eine kleine Skypekonferenz mit der Haltingerstrasse d.h. mit unseren nächsten Angehörigen. Wir sind unendlich dankbar, dass es allen gut geht, wir uns an unserer Familie freuen dürfen und hier eine etwas „schräge“ Weihnachten geniessen können.