20. Khmer Rouge

Edlef schreibt: Nach einer ruhigen Nacht auf dem Boot standen heute zwei Besuche bei geschichtsträchtigen Orten in Phnom Penh an.

Am Tag nach dem Ende des Vietnamkriegs 1975 zogen die Amerikaner ab und überliessen Kambodscha den kommunistischen Roten Khmer unter Pol Pot. Der führte sofort einen radikalen und grausamen Gleichheitswahn ein, entvölkerte alle Städte, schaffte Eigentum, Handel und Reisen ab und war in ständiger panischer Angst vor dem inneren Feind. Alle Brillenträger, Mehrsprachler und Leute mit weichen Händen wurden verdächtigt, mit dem CIA oder KGB zusammenzuarbeiten und wurden nach einer brutalen Folter, bei der ein „Geständnis“ und Namen von weiteren „Feinden“ erzwungen wurden, auf einem der 340 Killing Fields qualvoll hingerichtet. Dort starben in der 4-jährigen Schreckensherrschaft etwa 1,7 Mio Mitbürger der Roten Khmer. Weitere 1,3 Mio Kambodschaner starben an Hunger oder Krankheit. So sind damals von den 7 Mio Bewohnern fast die Hälfte umgebracht worden.

Als dann die Weltöffentlichkeit endlich davon erfuhr und Vietnam in einer Blitzintervention anfangs ’79 dem Spuk ein Ende bereitete, stellte sich die UNO auf die Seite von Pol Pot, da man den Kommunismus von Vietnam/Russland mehr fürchtete als den von Kambodscha/China. Verrückte, wahngesteuerte und ideologisierte Fehlentscheide.

Das alles liegt erst 40 Jahre zurück und wir konnten das Foltergefängnis samt Gespräch mit Überlebenden und eines der Killing Fields besuchen. Nur 5 der damaligen Verantwortlichen sind angeklagt und verurteilt worden, für alle anderen gilt eine Amnestie. Die damals 15-jährigen Landarbeiter in Uniform sind heute also erst 55-jährig… aber niemand hat Lust darüber zu sprechen. Seit 40 Jahren nun regieren ehemalige Khmer Rouge das Land und die Regierungspartei errang erst kürzlich wieder in „demokratischen“ Wahlen 123 der 125 Parlamentssitze… Wer’s glaubt.

Insgesamt ein erschreckender, aber auch einsichtsreicher Tag. Nun aber flussabwärts nach Vietnam.

Edlef kriecht in eines der Tunnels aus dem Vietnamkrieg in Cu Chi Memorial (Bei Ho Chi Minh City)

Hinterlasse einen Kommentar