Das 2000 Seelendorf Hampi besteht praktisch nur aus Guesthouses, Restaurants, Verkaufsständen und Reisebüros.

Überall schreit und flüstert es: Kaufen, kaufen, kaufen. Und alle beginnen sie ihr Angebot auf die gleiche Art: „Where do you come from?“ um dann spätestens beim dritten Satz ihr Angebot zu platzieren. Wir haben auch in Hampi kein Reisebuch besorgt, sondern einen Reiseführer gebucht. Auf die Führung freute ich mich riesig. Es gibt so viele unglaubliche Bauten in Hampi, dass es nicht verwundert, dass es 1986 zu einem Unesco Weltkulturerbe deklariert worden ist.




Das erste, was uns der Reiseführer sagte, war: alles werde gaaaanz langsam angegangen. So schlichen wir in der brütenden Hitze hinter ihm her über Ruinenfelder, guckten in ehemalige Tempel, besuchten dabei die Elefäntin Lakshmi, die Glück und Wohlstand bringe und hörten uns bestimmt 50 Mal an, dass man zwar nichts mehr sehe, aber alles sei „wirklich grossartig“ gewesen.

Ich fand seine Ausführungen eher mager. Wie waren die Familienstrukturen? Wie genau haben die Menschen gelebt und gearbeitet? Und wie sahen die Frauen- und Männerrechte aus? Gab es Sklaven…? Hierarchien? Krishna sah bei solchen Fragen ziemlich verdutzt aus, machte aber kaum Kommentare dazu. Er erzählte, die Geschäftsleute hätten in den Bazaren Diamanten, Rubine und Gold per Kilo gekauft und verkauft ( Kilos????), Hampi sei so reich gewesen, dass die Mogule über die Stadt, damals bewohnt von 500’000 Personen, hergefallen seien. Sie hätten die Schätze gestohlen und als Muslime alle hinduistischen Heiligtümer systematisch entweiht. Sie hätten alle heiligen Tempelfiguren beschädigt. So verunstaltete Figuren können nicht mehr das Göttliche beinhalten und verehrt werden. Krishna schweigt und schaut düster vor sich hin. Man merkt deutlich, wie tief ihn dies als Hindu bis heute schmerzt und empört.
Damit war das Historische abgehakt. Krishna begeisterte sich aber für die verschiedenen Inkarnationen von Vishnu. Voll Feuer wies er auf das nahende Weltende hin. 3 Aeras seit Beginn der Welt seien vorbei. Jede Aera dauere 4500 Jahre. Wir seien in der 4. und letzten Aera und davon seien bereits 2019 (????) Jahre verflossen. Wir erwähnten das Gnusch mit seiner christlichen Jahresgebung nicht. Edlef wies dafür respektvoll daraufhin, dass man annehme, die Erde sei 4,5 Milliarden Jahre alt und fragte dann, wie Krisna das mit der vergleichsweise extrem kurzen Zeit seiner 4 Aera Rechnung vereinbare? Krishna schaute uns fast mitleidig an. Die Wissenschaft habe sicher recht, aber er sei dem Hinduismus treu, er glaube an die Aeras. Man sehe die Wahrheit dieser hinduistischen Sicht an den vielen Katastrophen und den Umweltproblemen wegen der Industrie… Wir waren verdutzt. Es hätte noch so manches zu fragen gegeben. Aber die Zeit verrann schnell. Krishna stürzte bei jedem Tempeln zuerst auf seine Kollegen los und hielt mit ihnen einen ausführlichen Schwatz, erst dann wurden wir weiter in die Altertümer eingeführt. Er bestand auf eine zusätzliche, halbe Stunde Breakfastpause, obwohl die Führung erst um 9.30 Uhr begann und er längst Zeit für ein Frühstück gehabt hätte, dann liess er uns stehen für seine mehr als stündige Lunchpause und unterwegs für weitere „Schwatzpausen“ mit seinen Bekannten. Ich war offen gestanden enttäuscht. Er brauchte ganz klar möglichst Ruhe vor uns, den nervigen Touristen.


Trotzdem, wir haben den Tag aus vollem Herzen genossen. Hampi ist unglaublich und das mitten in einer atemberaubend schönen Landschaft und Krishna? Vielleicht sollten wir ihn eher als ein Stück Hampi und Folklore begreifen, statt als Reiseführer.