Dieser Beitrag ist nur für Alessia

Gropi und ich sitzen gemütlich beim Nachtessen. Gleich gegenüber sitzt eine Familie. Die Mutter stützt sich schwer mit ihrem linken Arm auf der Tischplatte auf und knetet vergnügt mit der Rechten in ihrem Teller eine Flade mit Currysauce zusammen. Auch das Mädchen zermanscht in ihrem Teller die Flade und bildet Bälleli damit, alles genüsslich und von Hand. Man berührt das Essen möglichst nicht mit den Lippen. Wer anständig essen will, muss sich die Knetbälleli in den Mund werfen. Alles darf nur mit der rechten Hand ausgeführt werden! Das ist ganz schön schwierig. Die linke Hand gilt als „grusig“ (damit wäscht man sich doch auf dem WC den Hint…). Der Vater der kleinen Familie gleich gegenüber schaut sich zufrieden um und wirft sich einen weiteren „Bollen“ ins Maul und – gorpst laut und deutlich durchs ganze Restaurant hindurch. Seine liebe Frau schliesst ihr Mahl mit einem letzten Schmatzger ab und tut es ihm nach. „Goooorps“. Eine so feine, kleine Frau kann soooo laut tönen? Liebe Alessia, das ist für uns eine ganz umgekehrte Welt. Was wir in Basel niemals tun dürfen, hier soll man es tun. Chinesisch essen üben viele. Aber erst indisch essen ist so richtig gut anders. Gropi und ich schlagen Dir vor: Jede Woche einen „auf indisch-ess-Tag“ einzuführen. Nicht vergessen zu rülpsen. Keinen Ton von sich zu geben ist unanständig. Die Köchin, der Koch hat sich schliesslich grosse Mühe gegeben. Darum ein herzliches „Goooorps“. Hier in Indien heisst es also: Sei anständig, iss alles per Hand und bitteschön, stütz dich auf dem Tisch auf mit dem linken Arm. Gropi und ich schockieren die Inder regelmässig, weil wir mit Gabel, Messer und Löffel essen, also nicht von Hand und dazu auch die linke Hand einsetzen. Wir stützen uns niemals auf und gorpsen auch keine Komplimente. Die Inder lassen uns in Ruhe, sie starren uns zwar neugierig an. Sie sagen aber nichts dazu, denn sie wissen schon lange: Diese Europäer haben einfach kein Benimm. Liebe Grüsse vom unanständigen Gromi und Gropi